Die neue Weinkönigin der hessischen Bergstraße

und wir setzen den Satz fort: kommt von der badischen Bergstraße. Stefanie Kippenhahn aus dem nordbadischen Hirschberg schlägt eine Brücke zwischen den beiden Weinbauregionen der Bergstraße. Am Freitag, 10.9., hat sie das Szepter im Rahmen der Bensheimer Winzerwoche von Heike Knapp übernommen. Sie ist die 69. Bergsträßer Gebietsweinkönigin. Beide sind über die Vinas-Familie, die Vereinigung der Jung-Winzerinnen, miteinander verbunden.

Die Weingilde wünscht Stefanie Kippenhahn eine schöne, abwechslunsgreiche Regentschaft und viel Freude bei ihrem Einsatz für die Bergstraße und den Bergsträßer Wein.

Die Weingilde wünscht der scheidenden Regentin Heike Knapp viel Erfolg bei der Wahl ab 18.9. zur deutschen Weinkönigin.

Was wir vielleicht noch nicht gewußt haben – 1. Folge

  1. Beim deutschen Sektpreis 2021 haben 500 Sekte von 230 Sekterzeugern teilgenommen. Dabei konnte sich unser Sekthaus Griesel aus Bensheim mehrfach auszeichnen. Sieger bei den Burgunder-Sekten mit einem 2018 Blanc de Noirs brut Tradition Sieger bei den Rosé-Sekten mit einem 2017 Rosé extra brut Prestige und ein besonderer Sieg in der Sonderauszeichn ung “Kollektion des Jahres” . Von sechs auszuzeichnenden Kategorien 3 mal ganz oben auf dem Treppchen stehen, ist schon etwas Besonderes.
  2. Die Verbände der Winzergenossenschaften haben verkündet, daß sie den deutschen Weinbauverband zum Jahresende verlassen werden. Sie haben den Eindruck, daß sie im Weinbauverband nicht mehr gehört werden und daß im Weinbauverband vor allem Selbstvermarkter sitzen, die nicht wahrhaben wollen, wo die Vermarktung stattfindet. Es würde zu viel über das neue Weinrecht geredet und zu wenig über den Markt. Es gibt 148 WG`s mit einer Ertragsrebfläche von ca 28.000 ha (das entspricht 28 % von 103.000 ha der Rebfläche in Deutschland) und einem Umsatz von 850 Mio Euro.
  3. Prosecco kennt jeder, aber vielleicht nicht, daß es hier auch 2 Qualitätsstufen gibt, nämlich DOC (Anbaugebiete in Friaul-Julisch und Venetien) und DOCG (für die Regionen Asolo, Valdobbiadene und Conegliano) . Prosecco war bis Ende 2009 die Bezeichnung einer weißen Rebsorte, die jetzt Glera genannt werden muss. Der Begriff Prosecco stammt aus dem 18. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich einen hochwertigen Wein, der in der Umgebung des Dorfes Prosseck nahe Triest angebaut wurde.

Quellen: der deutsche Weinbau (ddw), Weinwirtschaft

Geschichte Weingut Seitz

Das Weingut Seitz in Auerbach in der Weidgasse 10 ist aus einem landwirtschaftlichen Betrieb entstanden, von Jakob Seitz seit 1926 geführt, der bereits 1935 einen Preis für seinen Wein gewonnen hat. Der Sohn Tobias Georg Seitz gab dann 1960 die Landwirtschaft auf und widmete sich nur noch dem Weinbau. Begonnen wurde damals mit 3 ha, die sich im Lauf der Jahre bis hin zu 13 ha entwickelten, davon 10 ha eigene Flächen.

Die Tochter Margarete Seitz, ausgebildete Rechtspflegerin, und Peter Schott, ausgebildeter Chemielaborant, heirateten 1973 und widmeten sich dann unter Leitung von Tobias Seitz ganz dem Weinbau. Peter Schott begann eine Lehre beim Staatsweingut unter Heinrich Hillenbrand und studierte dann in Geisenheim. 1989 haben die Eheleute dann den Betrieb in Eigenregie übernommen. Es wurde viel investiert und renoviert und 1993 dann auch die neue Probierstube eröffnet.

Die Weinlagen bewegen sich im Fürstenlager und im Rott, wobei bedauerlicherweise durch das deutsche Weingesetz von 1971 aus der Einzellage “Auerbacher Rott” die Großlage “Auerbacher Rott” wurde. Beschäftigte man sich anfangs nur mit Riesling, sind dann später Weiß- und Grauburgunder (oder wie er früher hieß “Ruländer”) dazu gekommen. In den 80er Jahren folgten erstmals die Roten mit Spätburgunder, 1985 dann Dornfelder und 2000 St. Laurent.

Gesundheitliche Probleme und neue erforderliche Investitionen veranlassten dann die Familie Seitz im Jahr 2015 letztmalig die Ernte einzufahren und den Betrieb dann schweren Herzens zu schließen. Peter Schott bezeichnet den letzten geernteten Jahrgang als den besten. Am 11.6.2021 ist dann auch noch Margarete Schott geb. Seitz verstorben. Die Devise des Weinguts war: “Qualitätsbewusster Umgang mit dem Wein beginnt bei uns bereits mit der Arbeit am Weinberg. Dauerbegrünte Böden, altbewährte Rebsorten, ausschließliche Handlese und schonender Weinausbau sind wichtige Kriterien für unsere Qualitätsweine.”

Die letzten dieser Weine des Weinguts Seitz werden am 27.8. von Udo Schmitd-Czypull, einem Kenner der Seitz´schen Rotweine, im Rahmen der ersten offline-Verkostung der Weingilde Bergstraße präsentiert.

Veröffentlicht unter Winzer

Erste Präsenz-Verkostung mit Rotweinen vom Weingut Seitz

Udo Schmidt-Czypull, ein großer Freund von Rotweinen des leider nicht mehr existierenden Weinguts Seitz in Auerbach, präsentiert am 27.8.2021 ab 18 Uhr in der Schloßstraße 33 neun Rotweine vom Seitz: 4 Spätburgunder der Jahrgänge 2012-2015; 3 Dornfelder von 2012,13 und 15; 2 St. Laurent von 13 und 15. Diese Jahrgangsgeschmacksprobe verspricht spannende Gaumenfreuden und sicherlich auch kontroverse Diskussionen. Es ist die erste Verkostung in Präsenz seit Corona nach 8 Online-Proben.

Die Mitglieder dürfen sich freuen auf Spätburgunder, dem Klassiker für gehobene Ansprüche, die ein Spektrum von vollmundig, samtig über fruchtiges Aroma bis Nuancen von Mandel abbilden. Meist dominiert die Kirsche oder Brombeere, aber auch Johannisbeere und Erdbeere zeigen sich im Geschmack. Bei Barrique-Ausbau kommen noch Vanille-Zimt-Anklänge hinzu.

Für den Dornfelder gibt es zwei unterschiedliche Ausbaustile. Der erste betont die intensiven Fruchtaromen wie Sauerkirsche, Brombeere und Holunder und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass (Barrique) aus, betonen mehr die Gerbstoffe und Struktur des Weins und nehmen die Fruchtaromen zurück. Meist handelt es sich um gehaltvolle, geschmeidige und harmonische Weine, die teilweise aber gewöhnungsbedürftig sind. Unschwer ist der Dornfelder bereits an seiner tiefdunklen Farbe zu erkennen.

St. Laurent, eine fast verschwundene Rebsorte, bringt anspruchsvolle Tropfen hervor, bei denen Aromen von Holunder und Wildkirsche dominieren. Sie bestechen durch ihre tiefrote Farbe und das Hauptverbreitungsgebiet befindet sich in Österreich. Sie besitzen eine feine Säure und eine samtige bis raue Tanninstruktur.

Schön, daß diese Raritäten vom Weingut Seitz aus der Sammlung von unserem Mitglied Udo Schmidt-Czypull auf den Tisch kommen.

SolidAHRität mit den Winzern an der Ahr

Meldungen aus dem DWI

Flutkatastrophe an der Ahr: So können Sie helfen

20.07.2021

An der Ahr stehen zahlreiche Weinerzeuger vor dem Nichts: überflutete Büros, Keller und Weinlager, zerstörte Maschinen. Das Deutsche Weininstitut (DWI) listet Spendenaufrufe sowie Hilfsaktionen von Weinerzeugern, Handel, Verbänden und Organisationen, an denen Sie sich beteiligen können.

In den Weinbergen an der Ahr reift derweil der Jahrgang 2021 heran. Neben Spendeninitiativen bieten Weinerzeuger aus den anderen deutschen Anbaugebieten daher auch ganz praktische Hilfe an: Maschinen und personelle Untersützung für die Arbeit in Weinberg und Keller. Auch Patenschaften zwischen Weinerzeugern sind bereits angedacht – und angelaufen.

Praktische Hilfe von und für Weinerzeuger/innen bei den Arbeiten im Weinberg

Wenn Weinerzeuger aus anderen Gebieten helfen wollen (viele tun das dankenswerterweise bereits) sollten sich diese Berufskolleg/innen bitte per Mail an Herrn Althammer (c.althammer(at)events-ahrtal.de) wenden und dort hinterlassen, wann und in welcher Form (Arbeitskräfte, Maschinen, Gerätschaften etc.) sie helfen können. Er fungiert als zentrale Koordinationsstelle für alle Winzer/innen im Ahrtal und wird die Angebote dann zielgerichtet – auch mit Informationen, wie man dort hin kommt – weiterleiten.

Weitere Hilfsangebote

Das Deutsche Weininstitut (DWI) veröffentlicht Hilfsangebote, die Weinerzeuger an der Ahr unterstützen. Mailen Sie an: onlinekommunikation(at)deutscheweine.de 

Flutopfer-Weinpakete von vielen Weinerzeugern, deren Erlös Weinerzeugern an der Ahr zugute kommt:

Quelle: Dt. Weininstitut


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8. online-Verkostung mit Rosè-Sommerweinen am 9.7.

In der Reihe leichte Sommerweine werden nach der letzten Verkostung von weißen Sommer-weinen nunmehr am 9.7. Rosè-Weine versucht. Walther Fitz präsentiert einen Rosè von der Bergstraße, Conny und Robert Eberle von der Nahe, Lothar Meyer aus der Pfalz (Laumersheim) und Eric Tjarks einen Weißherbst, der auch als Rosè bezeichnet werden darf (siehe unten), ebenfalls von der Bergstraße. Das wird wieder ein spannender Abend werden und bestimmt werden Einige ihre neue Liebe zum Rosè entdecken.

Es ist unübersehbar: In Weinbars, Restaurants und Bistros, insbesondere aber auch auf sommerlichen Terrassen und beschwingten Gartenpartys, gilt nun “Pink” wieder als die Mode-farbe der Saison. Roséwein ist im Trend und insbesondere in der wärmeren Jahreszeit wird er gerne als erfrischender Allroundwein und bekömmliche Alternative zum Roten geschätzt, also ein ausgesprochener Sommerwein. Um es gleich vorweg zu nehmen: Rosé-Wein ent-steht nicht, indem ein Winzer fertigen Rot- und Weißwein miteinander vermischt. Genau genommen ist das per Gesetz in der Europäischen Union sogar verboten. Der Vollständigkeit halber sei hier noch der Rotling erwähnt, der dem Rosé farblich zum Verwechseln ähnlich sieht. Trotzdem darf er nicht als solcher bezeichnet werden, weil beim Rotling rote und weiße Trauben verschnitten werden.

Einige Weinfreunde machen immer noch einen großen Bogen um Rosé. Irgendwie scheint ihnen diese vermeintliche “Mischform” von Rot- und Weißwein suspekt. Werden hier tatsächlich Rotwein und Weißwein miteinander vermengt? Für Kenner der Materie eine einfache Frage, aber irgendwo muß man anfangen.

Rosé (in Italien Rosato, in Spanien Rosado) wird aus Rotweintrauben hergestellt. Dafür gibt es verschiedene Verfahren und Bestimmungen innerhalb der EU. Im Grunde ist es wie bei der Rotweinbereitung: je länger der Traubensaft Kontakt mit den Beerenhäuten hat, desto dunkler wird der Wein. Die blauen Trauben werden unzerkleinert gekeltert, abgepresst und dann wie Weißwein ohne Schalen vergoren.

Ihre Aromen reichen von fruchtig-frisch, wie von Himbeere, Erdbeere, Pfirsich, Apfel und Litschi, über blumige Aromen, wie Rose und Hibiskus, bis hin zu Kräuternoten und Rauch-nuancen. Zum Beispiel zeichnen sich deutsche Roséweine durch Noten von Honig und Erdbeere (Weinbaugebiet Baden und Rheingau) und frischen, rassigen Nuancen (Weinbaugebiete Pfalz und Württemberg) sowie fruchtigen-feingliedrigen Noten mit mineralischen Facetten (Saale-Unstrut-Region) auf. Ein Roséwein, der z. B. in der Provence , der Heimat des Rosè,  produziert wurde, hat ein lebhaftes Aroma mit floralen Nuancen, einer leichten Salznote und einer angenehmen Mineralität.  Eines sind die Roséweine auf alle Fälle, ganz gleich, wo sie hergestellt wurden, sie sind erfrischend, lecker und süffig.

Eine Rosé-Spezialität aus Deutschland ist der Weißherbst. Möchte ein Winzer seinen Rosé-Wein so nennen, dann darf er dafür nur eine einzige Rebsorte verwenden. Und die muss auch noch aus einer einzigen Lage stammen. Die meisten Weißherbst werden aus Pinot Noir (Spätburgunder) gekeltert.

Es gibt verschiedene Herangehensweisen bei der Vinifikation. Nämlich drei, um genau zu sein. Der Winzer hat also zunächst die Qual der Wahl. Je nachdem, wie intensiv Farbe und Geschmack sein sollen. Bevor er diese Entscheidung trifft, gibt es aber doch ein paar Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel, dass ein Winzer für einen Rosé-Wein rote Rebsorten verwendet. Oder dass die Trauben vor der Weiterverarbeitung entrappt werden. Stiele und Stängel müssen also weg. In ihnen befinden sich nämlich viele Gerbstoffe. Für einen Rotwein mag das gut sein, für einen Rosé reichen indes die Tannine aus den Schalen und den Kernen der Beeren mehr als aus.

  1. Die weltweit wohl gängigste Methode, um einen Rosé-Wein zu machen, ist die Mazeration. Hierbei werden die Trauben leicht angequetscht, sodass der erste Saft herausläuft und dabei Farbstoffe, Aromen und Gerbstoffe aus der Beerenschale löst. Dieses Gemenge fester Traubenbestandteile, die im Most schwimmen, nennt man Maische. Je länger die Maische-standzeit, desto intensiver sind später Farbe und Geschmack. In der Regel reichen ein paar Stunden aus, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
  2. Statt den Most eine Zeit lang mit den Schalen in Kontakt zu lassen, pressen einige Winzer die roten Trauben direkt ab. Der Saft ist dann meistens nur hellrosa. Er wird sofort weiterverarbeitet.Dieser Methode bedienen sich übrigens die Weingüter in der Provence sehr gerne. Wenn ein Rosé-Wein besonders leicht schmeckt, war meistens die Abpress-Methode im Spiel. Denn es werden kaum Farbpigmente und Aromen aus den Trauben extrahiert. Für leichte Sommer-weine also genau richtig.
  3. Das Saignèe-Verfahren bedeutet auf Deutsch „bluten“. Bei dieser Herstellung ist der Name tatsächlich Programm. Denn hier wird der Most zusammen mit den Beerenschalen in einen Tank gefüllt, sodass diese dann in der Flüssigkeit “ausbluten”. Statt aber nach einer gewissen Zeit die Maische zu entfernen, lässt der Winzer einen Teil des rosafarbenen Mosts einfach ab. Meistens übrigens so zwischen zehn und zwanzig Prozent. Der restliche Most bleibt mit den Schalen im Tank und wird später mal ein besonders kräftiger Rotwein. Rosé-Weine, die das Saignée-Verfahren durchlaufen haben, kann man übrigens gut erkennen. Sie sind besonders dunkel und sehr farbintensiv.

Quellen: Weinfreunde, Wikepedia, eigene Recherche

Historischer Weinbau – Chance für eine regionale Wertschöpfung

Das nova-Institut und die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft haben sich im Rahmen von „AgroBioNet – Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen“ intensiv mit diesem Thema beschäftigt, darunter auch mit alten Rebsorten. Das Projekt wurde durch BMEL und BLE im Bundesprogramm Ländliche Entwicklung gefördert. 21 praktische Beispiele sind in der Broschüre des nova-Instituts zu finden unter dem Titel “Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen”. Von alten Rinder- oder Schweinerassen über historische Bier-, Brot- und Obstsorten bis zum Gemüse, aber eben auch alte Rebsorten. Leider sind viele Sorten und Rassen in den letzten Jahren verloren gegangen. Nimmt man sich ihrer wieder an, entsteht ein weites Feld an Möglichkeiten für Produktinnovationen. Das würde dann zwangsläufig zu einer Image- und Markenbildung im Wettbewerb der Regionen führen.

Bei diesen vergessenen Sorten ist auch seit 1991 wieder der rote Riesling von der hessischen Bergstraße dabei: Der Rote Riesling wurde bis ins 19. Jahrhundert angebaut und galt danach lange Zeit als verschollen. Oft als „Ur-Riesling“ bezeichnet, wird er in der „Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen“ geführt. Heute werden rund 40 Hektar dieser alten Rebsorte wieder angebaut, davon 12 Hektar durch die „Bergsträsser Winzer eG“ und 0,5 Hektar beim Weingut „Corvers-Kauter“ im Rheingau. Die Rebsorte bildet nicht nur für die Genossenschaft sondern auch für die Region Hessische Bergstraße ein wichtiges Identitäts-Merkmal. Neben der hohen Qualität im Geschmack bietet der Rote Riesling Winzern weitere interessante Eigenschaften. Die alte Rebsorte ist robuster und kann wegen weniger Fäulnis rund eine Woche später geerntet werden als der weiße Riesling. Sie wird daher auch als „Klima-Riesling“ bezeichnet. Für die Aromabildung und die geschmackliche Ausprägung hat diese spätere Lese positive Effekte. Die Säure wird auf Grund der bei heißen Sommertemperaturen größeren Erwärmung dunkler Beeren stärker abgebaut und die Extraktwerte sind deutlich höher als beim weißen Riesling.

Während in den Weinbaugebieten ab dem 19. Jahrhundert Reben sortenrein gepflanzt und gekeltert wurden, hat sich der alte historische Mischsatz in Franken bis in die heutige Zeit gerettet. Die Anbauform beruht auf bis zu 40 alten fränkischen Landsorten, die zum Teil in der „Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen“ geführt werden. Der „Alte Fränkische Satz“ ist in Bayern seit 2018 als eigene Sorte zugelassen. Rund 50 Winzer erzeugen diesen Wein heute auf etwa zehn Hektar Fläche mit noch teilweise wurzelechten Reben, die bis zu 285 Jahre alt sind, oder mit Neupflanzungen. Die Weine mit ihrer besonderen Geschichte stehen für regionale Authentizität sowie Qualität und Vielfalt und ermöglichen den Winzern, sich von der Masse abzuheben. Eine genauere Untersuchung der Rebsorten förderte 2007 alte fränkische Landsorten wie Adelfränkisch, Heunisch, Vogelfränkisch, Hartblau, Grünfränkisch und Blauer Kölner sowie verschiedene Silvaner-Varietäten zutage. Sie waren dort in der historischen Mischform, dem „Frentsch“ oder „Fränkischen Satz“ angebaut worden, wie es vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert üblich war.

Sowohl der rote Riesling wie auch der alte fränkische Satz waren schon mehrmals Thema bei Veranstaltungen der Weingilde und haben großen Anklang gefunden.

Die Zisterzienser-Mönche des Walheimer Hofs bei Hahnheim, einem landwirtschaftlichen Außenbezirk des Klosters Eberbach, haben bereits vor Jahrhunderten in der Region des Abthofs Gelben Orleans angebaut, so ist es in der Geschichte des kleinen rheinhessischen Weinorts Hahnheim überliefert. Die hohe Qualität und der feine Geschmack des Orleansweins sind historisch überliefert und bestätigten sich auch bei den Weinen des Abthofs. Im Anbau verfügt der Gelbe Orleans über interessante Vorteile. Dadurch dass der Wein etwa zwei Wochen später geerntet wird als andere Rebsorten, können die zunehmenden Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht zur Entwicklung des feinen, eleganten Aromas beitragen. Darüber hinaus verfügen die Orleans-Trauben über recht feste Schalen, die sie im Sommer bei extremen Temperaturen schützen und im Herbst weniger pilzanfällig machen. Durch diese Eigenschaften verfügt der Gelbe Orleans über Vorteile bei der Anpassung an die aktuellen klimatischen Veränderungen.

3 historische Rebsorten, die es verdienen, sich näher mit ihnen zu beschäftigen.

Quelle: nova-Institut

Leichte Sommerwein-Verkostung am 28.5.

Diese Weine wollen am 28.5. in dieser Reihenfolge verkostet werden:
1. Bacchus 2020 trocken VDP-Gutswein Schloß Castell Franken
2. grüner Silvaner 2020 feinherb Heppenheimer Kabinett Weingut Freiberger Bergstraße
3. Scheurebe 2018 feinherb Weingut Hexamer Nahe
4. Riesling 2020 feinherb VDP-Gutswein Weingut Nik Weis St. Urbanshof Saar

7. online-Verkostung mit leichten weißen Sommerweinen am 28.5.

Die Weingilde Bergstraße erfreut sich mit ihren online-Verkostungen großer Beliebtheit. In der Folge Nummer 7 will man sich am 28.5. mit leichten Sommerweinen in weiß befassen: Winfried Christ präsentiert einen Bacchus aus Franken, Stefanie Berg einen Silvaner von der Bergstraße, Boris Auer eine Scheurebe von der Nahe und Florian Golz einen Riesling von der Saar. Die Vielfalt der Rebsorten und der Regionen versprechen einen spannenden Abend.

1.Bacchus aus Franken

Die Neuzüchtung von Peter Morio im Jahr 1933 ist aus der Kreuzung von Riesling, Silvaner und Müller-Thurgau in der Pfalz entstanden. Bacchus-Weine – benannt nach der römischen Weingottheit –  sind hell- bis grüngelb, haben eine geringe Säure und erinnern mit ihrem blumigen Muskataroma an die Scheurebe (weshalb sie auch als Frühe Scheurebe bezeichnet wird). Ca 2000 Hektar werden in Deutschland angebaut, vorwiegend in Rheinhessen und in Franken                                                                        Diese Weinsorte verdankt ihre einstmalige Popularität unter Winzern vor allem der Tatsache, dass sie zu den früh reifenden Rebsorten gehört und folglich auch in kühleren Lagen angebaut werden kann, sammelt aber doch auch in beträchtlichem Maß Zucker an. Für einen frischen, trockenen Wein ist daher der richtige Lesezeitpunkt zu beachten.

Bacchus-Weine zeichnen sich durch ihre geradezu verschwenderische Fruchtigkeit und betonte Würze aus und überzeugen durch ihr feines Aroma und die fruchtigen Noten. In der weitverbreiteten, halbtrocken ausgebauten Variante haben wir nach wie vor den fränkischen Weinfestschoppen schlechthin im Glas. Gelegentlich finden sich neben Pfirsich, Mango, Papaya auch Noten von Muskat bis hin zu feinem Kümmel im Bacchus. Besonders bei Menschen, die an Magenproblemen leiden, sind diese Tropfen beliebt: Sie neigen von Natur aus zu wenig Säurebildung. 

Auch wenn Weinsnobs gerne die Nase rümpfen, so kann ein fruchtig-würziger Bacchus ein ganz toller Einstieg in die Welt des Weines sein. Für ein Weinfest sind die Halbtrockenen sicher gut geeignet. Für eine Verkostung, um den Feinheiten des Bacchus auf die Spur zu kommen, sollte es doch ein Trockener sein.

2. Silvaner von der Bergstraße


Jahrelang hatten Wissenschaftler über den Ursprung der Rebsorte gerätselt. Stammt sie aus Transsilvanien oder aus Silvan, einer kleinen Stadt in Mittelasien oder lässt der Name auf eine römische Abkunft schließen. Heute zeigen genetische Untersuchungen, dass der Silvaner eine Kreuzung aus Traminer, einer der ältesten bekannten Rebsorten, und der autochthonen Sorte „Österreichisch Weiß“ ist. Damit scheint seine Herkunft aus der Alpenregion gesichert zu sein.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann die unaufhaltsame Ausbreitung des Silvaner. Er verdrängte alte, minderwertige Sorten. Schließlich galt die Rebsorte Mitte des vorigen Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte: mehr als jede zweite deutsche Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte zugunsten des wertvolleren Rieslings ließ den Flächenanteil des Silvaners in Deutschland auf derzeit 5 Prozent sinken. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war sie die dominierende Rebsorte der Bergstraße. Dabei nannten die Bergsträßer Winzer noch bis vor wenigen Jahrzehnten den Silvaner “Österreicher”.   

Derzeit sind in den deutschen Anbaugebieten 4.744 Hektar mit Silvaner bestockt (2018), das entspricht einem Anteil von knapp 4,6 % der Gesamtrebfläche: Rheinhessen 2100 ha, Franken 1500 ha, Pfalz 550, Bergstraße 5 ha. 

Der Silvaner stellt hohe Ansprüche an den Boden, weniger an die Lage. So gibt er sich nicht mit trockenen oder steinigen Böden zufrieden, sondern liebt die nährstoffreichen Lößlehmböden der Bergstraße. Er ist empfindlich gegen Winterfrost. Silvaner ist Vielfalt. Er kann hohe Erträge liefern für einfache Zechweine, er ist ein unkomplizierter Sommerwein, ein geschmeidiger, cremiger Barriquewein, ein gut entwickeltes, elegantes und lebhaftes Grosses Gewächs oder ein intensiver lang anhaltender Edelsüßer. Alles ist möglich. Die Rebsorte spiegelt perfekt sein Terroir wieder und verbindet die erdigen Töne mit zarten fruchtigen Aromen und milder Säure. Andererseits liefert er gehobene Prädikatsweine bei entsprechender Ertragsreduzierung durch den Winzer oder bei Auswahl einer qualitativ hochwertigen Selektion. Charakteristisch für Silvaner-Weine ist ein feiner Duft, der an Kräuter oder auch Stachelbeeren erinnert und manchmal vom Aroma frischen Heus begleitet wird. Es sind in der Regel leichte Weine mit dezent-duftigem Aroma, die nicht zuletzt wegen ihrer milden Säure sehr geschätzt sind

3.Scheurebe von der Nahe

Die Scheurebe wurde 1916 von Georg Scheu aus Alzey gezüchtet. Lange Zeit vermutete man Riesling und Silvaner als Kreuzungspartner. Erst 2012 kam die Rebsorte Trollinger als Dritter in diesen Bund, da es sich bei der Scheurebe vielmehr um eine Kreuzung aus Riesling und Bouquetrebe (Silvaner x Trollinger) handelt. Mit einem Anteil von 3% an den gesamten deutschen Weinanbauflächen belegt die Scheurebe mit Abstand den ersten Platz unter den Neuzüchtungen des 20. Jahrhunderts.Sie wird überwiegend in Deutschland angebaut und beträgt etwa 3% der gesamten deutschen Anbauflächen. Die insgesamt knapp 1.500 Hektar Rebland verteilt sich wie folgt:  1.000 Hektar in Rheinhessen, 400 in der Pfalz und mehr als 100 an der Nahe.

Sanfte grüne Berge, romantische Flusstäler und spektakuläre Felsformationen prägen das Weinbaugebiet Nahe. Die Böden im Weinbaugebiet Nahe bieten eine große Vielfalt auf kleinster Fläche. Man geht von mehr als 180 Bodentypen in der Weinregion Nahe aus, da der Untergrund durch vulkanische Beben in Jahrmillionen immer wieder kräftig durchgerüttelt wurde. So gedeiht an der Nahe eine breites Spektrum an köstlichen Weinen, von denen ein jeder seinen ganz eigenen Charakter hat. Meist werden die Weine in flachen Hügellagen angebaut. Milde Temperaturen und viel Sonne unterstützen die Winzer der Nahe dabei, kleine Juwele in ihren Kellern zu keltern.

Genauso wie ihr Kreuzungsvater, der Riesling, ist auch die Scheurebe anspruchsvoll und verlangt gute Qualität von ihren Lagen. .Auf Löss und kalkhaltigen Böden gedeihen Riesling sowie Scheurebe gleichermaßen. Auch trockene, karge Bodenverhältnisse verkraftet sie und bringt gute Erträge hervor. Gefährdet werden die Trauben dieser Rebsorte durch winterliche Fröste und Edelfäule. Wir erleben Fruchtaromen wie Cassis, Pfirsich, Mandarine, Mango, Holunder oder reife Birne. Charakteristisch für die Scheurebe ist die hellgelbe bis goldgelbe Farbe, sowie eine kräftige Säure. Häufig wird die Scheurebe schon mal gerne als Sauvignon der Nahe dargestellt.

4. Riesling von der Saar

Die Saar ist ein relativ kleines Weinanbaugebiet mit einer Rebfläche von ca. 700 ha und genießt als Subappellation der Mosel einen besonderen Stellenwert. Bis zum Frühjahr 2007 hieß das Weinbaugebiet „Mosel-Saar-Ruwer“, seither nur noch „Mosel“ und es wird dem Saar-Wein irgendwie nicht gerecht, nur noch Moselwein zu heißen. Der Riesling ist mit fast 80% der unangefochtene König bzw. Königin an der Saar. 

Obwohl das Gebiet der Saar ganz in der Nähe der Mosel liegt, unterscheiden sich der Saar Riesling doch erheblich vom Mosel Riesling. Die klimatischen Unterschiede zwischen Mosel und Saar lassen sich an folgenden Merkmalen festmachen: Die Rieslinglagen liegen an der Saar ca. 50 bis 100 Meter höher und die Reben stehen näher zu den Mittelgebirgen von Eifel und Hunsrück. Insgesamt ist es an der Saar also etwas kälter wie an der Mosel. 

Der Riesling von der Saar besitzt auch eine etwas andere Aromatik. So sind die Weissweine von der Saar keine “Aromenbomben”. Das Duftbild dieser Weine ist meist puristischer als das ihrer Brüder und Schwestern von der Mosel, der Mundgefühl wirkt mineralischer. Je nach Reifegrad kommt eine Spur Mango, Birne, Bratapfel und feiner Darjeeling Tee zum Vorschein. Dazwischen mischen sich mal rauchige, mal steinige Nuancen. Auf der Zunge geht die Post ab, fetziger Rock’n Roll. Sie zeigen ein lebhaftes Säurespiel und besitzen eine wundervolle Leichtigkeit und Beschwingtheit – egal ob trocken oder feinherb bis fruchtsüß. Zum Abschied spielt sich eine tolle Salzspur ein, die im Falle der großen trockenen Exemplare enorm viel Druck entwickeln kann. Die Weine des kühlsten deutschen Anbaugebietes, – das übrigens nicht im Bundesland “Saarland”, sondern in Rheinland-Pfalz liegt – haben heute absolutes Weltklasse-Niveau erreicht.

Quellen: dt. Weininstitut, Wikepedia, Weinfreunde, WirWinzer, eigene Recherche