Was wir vielleicht noch nicht gewußt haben – Folge 11

  1. Der Discounter Aldi Süd hat einen neuen span. Wein eingeführt, die “Gran Selección”. Ein frei gefundener Qualitätsbegriff wäre das, der an keine Voraussetzungen gebunden ist, im Gegensatz zum “Gran Reserva”, der z.B. 60 Monate reifen muß, ehe er in den Verkauf kommt. Optisch und namentlich sehen sich die Etiketten zum Verwechseln ähnlich und beide haben dieses völlig überflüssige und sinnfreie Drahtnetz um die Flasche gespannt. Wieder mal ein Versuch einen billigen Wein mit einem absurden Qualitätsbegriff unter die Leute zu bringen.
  2. Italien kommt immer wieder in den Nachrichten vor mit Verstößen gegen das Weinrecht , sowohl gegen das eigene als auch das europäische: Im Jahr 2021 wurde Wein im Wert von 7,4 Mill. Euro beschlagnahmt, 1849 Verwarnungen und 2183 verwaltungsrechtliche Sanktionen ausgesprochen sowie 34 Strafanzeigen gestellt. Bei den Kontrollen fielen ca jeweils 10 Prozent bei Verstößen gegen die Herkunftsbezeichnung und bei dem Produkt Wein selbst auf. Fehler bei unrechtmäßiger Aneignung von geschützten Bezeichnungen, dokumentarische Ungenauigkeiten oder Fehler bei der Etikettierung fallen da schon nicht mehr groß ins Gewicht. Dabei wäre zu erwähnen, daß Italien seit 2017 als einziges Land der Welt über ein elektronisches Weinregister verfügt, in welchem die Marktteilnehmer alle Warenbewegungen und Verarbeitungsvorgänge online registrieren müssen.
  3. Der Fachhandel bestätigt, daß die deutschen Weine weiterhin gute Zensuren bekommen (Durschnittsnote 1,39). Extrem gut ist dabei die Performance für dt. Weißwein, wobei hier die Burgundersorten (1,53) das Zugpferd darstellen. Uneinheitlich dagegen die Beurteilung für Deutschlands Leitrebsorte, den Riesling (2,5). Das liege wohl an dem Trend zu säurearmen Weinen, wird gemutmaßt. Die Kategorie dt. Rotweine erhält mit 3,29 die schlechteste Durchschnittsnote.
  4. In Deutschland beträgt der Anteil sämtlicher PIWI-Sorten (meint pilzwiderstandsfähig und auch ökologisch) aktuell ca 2,5 Prozent bei ca 200 Mitgliedern, so Andreas Dilger 1. Vors. von PIWI Deutschland. Und PIWI Deutschland hat 2022 den von Dienstleistern und Zulieferern ausgeschriebenen Preis für Nachhaltigkeit bekommen. Inzwischen ist fest zu halten, daß die die beiden PIWI-Weißweinsorten Cabernet Blanc und Sauvignac die höchsten Zuwachsraten haben.
  5. Die deutsche Weinwirtschaft hat ca 600 Weine nach einem Punktesystem bis maximal 100 bei einer Zusammenkunft im Nov. 2021 im Meininger Verlag bewertet: Der Sieger beim Weißwein kommt von der Saar, Riesling alte Reben 2020 von van Volxem, im Bereich Rosè gewinnt der Clarette Rosé 2018 von Knipser, beim Rotwein heißt der Sieger Spätburgunder 2015 Kalkmergel von Knipser.
  6. Die rosa Welle rollt. Die zur dt. Qualitätskontrolle angemeldeten Roséweine steigen um 9 Prozent auf ca 1 Mill Hektoliter. Damit sind 13 Prozent aller dt. Qualitätsweine Rosés.
  7. Neben Italien hört man auch aus Spanien Ungereimtheiten bei der Weinproduktion: Gegen vier Valdepenas-Produzenten leitet das span. Nationalgericht in Madrid ein Untersuchungs-verfahren ein wegen Betrug durch Weinfälschungen. Ebenso wird der katalanische Weinproduzent “Reserva de la Tierra” wegen Verdacht auf Weinfälschung vorgeladen. Bei einer Durchsuchung hat man eigens hergestellte Staatssiegel gefunden
  8. Weinimport in Deutschland 2020 mit 14,2 Mill. Hektolitern im Wert von 2,7 Mrd. Euro: 39,6 % aus Italien, gefolgt von Frankreich mit 29,2 %, dann Spanien 12.8 %, USA 3,0 %, Südafrika 2,9 Prozent, Österreich 2,6 % und Australien 2,0 %.

Quellen: Weinwirtschaft, ddw (der deutsche Weinbau)

Die Weingilde ist Mitglied bei WINE IN MODERATION

Mit der Botschaft „Wine in Moderation – Weingenuss mit Maß und Stil“ sollen sowohl Weinbranche als auch Verbraucher aufgeklärt und informiert werden. Ziel ist es, Wein weiterhin als Kulturgut zu schützen und den maßvollen Weingenuss zu etablieren. Es ist ein internationales Programm der Weinwirtschaft zur Förderung einer gesunden Lebensweise. Wein und Sekt stehen für Genussgüter mit hohem Kulturwert. Dies begründet ihr gutes Image ebenso wie die Tatsache, dass sie weniger missbräuchlich konsumiert werden. Damit dies auch so bleibt, engagiert sich die europäische Weinbranche in der gemeinsamen Initiative Wine in Moderation (WiM) für den verantwortungsvollen moderaten Umgang mit Wein und Sekt.

Bewusst entscheiden – Bewusst genießen – Bewusst verzichten – das ist die Botschaft! Nur so passen Wein und Sekt in eine moderne gesundheitsbewusste Lebensweise.

Die deutsche Weinakademie (DWA) mit Sitz in Bodenheim hat dazu auf Antrag der Weingilde Bergstraße am 5.7.2022 eine Vereinbarung geschlossen, in der die Rechte als Kollektivnutzer und WIM-Förderer geregelt sind.

Die Initiative wird zurzeit in 17 Ländern national umgesetzt und ist in 26 Ländern weltweit aktiv. Die DWA ist als nationaler Koordinator verantwortlich für die Umsetzung des europäischen Programms in Deutschland. Des Weiteren wird die WiM-Initiative von zahlreichen Organisationen, Institutionen und Firmen der Weinwirtschaft unterstützt. Schwerpunkt des nationalen Wine in Moderation-Programms ist die Schulung der Weinbranche zu gesundheitlichen Vorteilen und Risiken, aber auch zu relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich Bewerbung, Verkauf und Konsum alkoholischer Getränke.

Weingilde mit verändertem Vostand

Bei den Wahlen zum Vorstand der Weingilde am 24.6.2022 wurde Manfred Berg als erster Vorsitzender bestätigt, sein Stellvetrtreter wurde Robert Eberle. Beide gehören zu den Mitgliedern der ersten Stunde seit der Gründung vor 20 Jahren. Schriftführer bleibt Lothar Meyer, ebenso wurde Achim Weidmann als Rechner bestätigt.

Als Beisitzer wurden gewählt: Angelika Czypull, Zara Proß, Boris Auer und Winfried Christ. Als Kassenprüfer wurden Jürgen Kotrade (auch ein Gründungsmitglied) und Michael Discher-Remlinger gewählt.

20 Jahre Weingilde Bergstraße

Dazu schreibt der heutige 1. Vors. Manfred Berg eine kleine Chronologie und erinnert sich:

Erste Bestrebungen zur Gründung einer Weinbruderschaft an der Bergstraße gehen bis ins Jahr 1977 zurück. Professor Dr. Hans-Jörg Koch, Ehrenbrudermeister der Weinbruderschaft Rheinhessen, heute Ehrenmitglied der Weingilde Bergstraße, unternahm im Laufe von 25 Jahren etliche Anläufe, um hier eine entsprechende Vereinigung zu gründen. Ein letzter Versuch im Juli 2001 sollte schließlich zum Erfolg führen. Der Bergsträßer Anzeiger titelte damals „Nur Anbaugebiet Bergstraße ist ohne Weinbruderschaft“ und schrieb, „die Gründung einer Weinbruderschaft wäre ein Bekenntnis zur Weinkultur in der Region“ (BA v. 28. Juli 2001, S. 11). Der Aufruf blieb nicht ohne Resonanz: Jürgen Kotrade und Roland Turowski meldeten sich unabhängig voneinander bei Hans-Jörg Koch in Wörrstadt, der beide zusammenführte.

Noch im gleichen Jahr trafen sich dann Mitte Oktober etwa ein Dutzend Weinfreundinnen und Weinfreunde bei Ingeborg und Roland Turowski, um die Gründung einer Gemeinschaft zur Förderung der Weinkultur vorzubereiten. Konkreter wurde es bei einem Treffen im Februar 2002. Neben dem Entwurf einer Satzung ging es auch um die Namengebung der zu gründenden Weinbruderschaft. Bruderschaft kam nicht in Frage, da sich fast gleich viele Frauen und Männer gemeldet hatten, und so einigte sich die Runde auf die Bezeichnung „Weingilde Bergstraße“.


Die Gründungsversammlung erfolgte mit 19 Teilnehmer*innen am 8. März 2002 im Haus
am Dorfplatz in Schönberg. Der erste Vorstand setzte sich folgendermaßen zusammen:
Vorsitzender Jürgen Kotrade, stellvertretender Vorsitzender Roland Turowski, Schriftführer
Manfred Berg und Kassenführer Frank Heyder sowie die Beisitzer*innen Robert Eberle,
Dietmar May und Ingeborg Turowski, Kassenprüfer Walter Schebek und Günter Wachtel.
Am 30. April 2002 stellte sich die Weingilde im Rahmen des Bergsträßer Weinfrühlings
erstmals mit einer speziellen Weinprobe im Staatsweingut Bergstraße vor.


Bereits im Januar 2003 konnte die Weingilde Bergstraße mit ihrem von dem in Fehlheim
lebenden Künstler Hans Borchert entworfenen Signet an die Öffentlichkeit gehen. Der als
„Bewegungszeichner“ bekannte Maler hat hier die Verbindung von Wort und Bild in grafisch gekonnter Manier hervorragend umgesetzt.Ein weiterer Meilenstein im Werdegang der Weingilde war am 31. Mai 2011 die Eintragung ins Vereinsregister. Nach entsprechender Satzungsänderung dürfen wir uns seitdem als e.V. – eingetragener Verein – bezeichnen und haben damit die Rechtsfähigkeit als juristische Person erlangt.


Die Mitgliederzahlen haben sich von ursprünglich 19 im Gründungsjahr 2002 auf 38 im Jahr 2007 und 50 im Jahr 2014 entwickelt, derzeit zählen wir 51 Mitglieder. Seit acht Jahren sind die Zahlen bei ausgeglichenen Zu- und Abgängen also nahezu konstant. Einige ausgewählte Veranstaltungen sollen neben regelmäßigen Verkostungen Bergsträßer Weine die Themenvielfalt der letzten 20 Jahre aufzeigen – eine vollständige Aufstellung aller Verkostungen, Seminare, Vorträge, Weingutsbesuchen und Exkursionen habe ich mir und Euch erspart.

25. April 2003 Ausstellung „Visitenkarten der Weine – Kunstkreationen auf deutschen Weinetiketten“ von Jürgen Cantstetter
25./26. Sept. 2004 Exkursion nach Erfurt mit Verkostung Saale-Unstrut
28. Januar 2005 „Große Weine von Saar und Ruwer“
28. April 2006 „Wein – Industrieprodukt oder Winzerhandwerk?“ v. Prof. Koch
27. April 2007 „Wein und Gesundheit“ v. Prof. Dr. Klaus Jung, Uni Mainz
15. Februar 2008 „Weine aus Südafrika“
16. Mai 2009 „Wein und Essen zur Römerzeit“
25. Januar 2010 „Französisches Jura – Das Land der gelben Weine“
18. Februar 2011Portugal-Verkostung im BASF-Weinkeller
10. Februar 2012 „Weine aus dem Heiligen Land“
15. Februar 2013 Weine vom Weingut Freiberger
23. Mai 2014 „Wein in Farbe“ mit dem Sensoriker Martin Darting
30. Oktober 2015 „Weißweine aus der Wachau“
25. Juni 2016 Exkursion nach Wissembourg und die südliche Weinstraße
17. Februar 2017 Verkostung europäischer Apfelweine
25. Mai 2018 „Weinbau und Gewässerschutz“ mit Hochschule Geisenheim und Jan Faber
15. November 2019 Toskana-Zyklus in drei Teilen, 3. Teil: Die Spitzenweine
24. Januar 2020 „Weinland Rumänien“
28. Mai 2021„Weiße Sommerweine aus Deutschland“ Online
13. Mai 2022 „Weine von der Nahe“

Innerhalb von 20 Jahren summiert sich die Gesamtanzahl an Veranstaltungen der Weingilde bei durchschnittlich neun pro Jahr insgesamt auf ca. 180. Wir haben sowohl Mainstream als auch Exoten verkostet, Sensorikseminare sowie Vorträge veranstaltet und auch keller- und weinwirtschaftliche Aspekte im Auge behalten.
Bei der Mitgliederversammlung am 17. Sept. 2020 wurde Roland als Vorsitzender von Manfred Berg abgelöst. Roland war von Anfang an im Vorstand, davon 15 Jahre als Vorsitzender. Seine Verdienste wurden kürzlich mit der Verleihung des Ehrenbriefs des Landes Hessen gewürdigt. Fünf weitere Mitglieder der Weingilde sind ebenfalls mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet worden: Norbert Bauer, Reinhard Bauß, Elke Ditter, Walther Fitz sowie Anette Klüber-Meyer.


Die Weingilde Bergstraße wird auch weiterhin ihren satzungsgemäßen Zweck der Pflege und Förderung des Verständnisses und den Umgang mit dem Wein als einem überlieferten Kulturgut und einem Element unserer Lebenskultur verfolgen und sich insbesondere für den Erhalt und die Wiederherstellung der natürlichen Grundlagen des Weinbaus einsetzen. Freuen wir uns deshalb auf vielfältige und abwechslungsreiche Verkostungen und bleiben wir offen für zukünftige Entwicklungen – auf unser aller Wohl!

Die Weingilde und der Landesehrenbrief

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Pflege des Kulturguts Wein und der Verleihung des Landesehrenbriefes? Warum? Weil nämlich in der Weingilde schon sechs Personen mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet worden sind.

Nein, gibt es nicht! Außer, daß sich viele Mitglieder der Weingilde auch in anderen Bereichen stark engagieren.

Der Ehrenbrief des Landes Hessen ist eine Auszeichnung des Hessischen Ministerpräsidenten für besonderes ehrenamtliches Engagement im Bereich der demokratischen, sozialen oder kulturellen Gestaltung der Gesellschaft. Über die Verleihung eines Ehrenbriefs entscheiden die Landräte beziehungsweise die Bürgermeister, in deren Zuständigkeitsbereich die zu Ehrenden wohnen. Die Auszeichnung mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen setzt eine mindestens 12-jährige aktive ehrenamtliche Tätigkeit in der kommunalen Selbstverwaltung oder in kommunalen Einrichtungen, in Vereinen mit kulturellen und sozialen Zielen oder in vergleichbarer Weise voraus.

Und diese Mitglieder der Weingilde sind Träger des Landesehrenbriefes Hessen:

Norbert Bauer 3/2007 – Reinhard Bauß 11/2009 – Elke Ditter 1/2019 – Walter Fitz 5/2022 – Roland Turowski 6/2022 – Anette Klüber-Meyer 6/2022 –

Wir freuen uns, daß wir diese Weinfreunde und innen in unseren Reihen haben und gratulieren allen und gerade den Letztgenannten, weil sie erst in diesen Wochen mit der verdienten Auszeichnung eine Bestätigung und Würdigung ihres langjährigen Engagements bekommen haben.

Was wir vielleicht noch nicht gewußt haben – Folge 10

  • Bei der letzten Weinverkostung der Weingilde mit Weinen aus der Region Nahe waren fast alle Weine spontan vergoren. Da tauchen mal wieder viele Fragen auf.
  • Was ist Spontanvergärung? Warum eigentlich? Schmeckt man das? Welchen Einfluß hat das auf den Wein?
  • Unter Spontangärung versteht man die Gärung, die im natürlichen Prozeß von selbst eintritt, durch die Hefen und Mikroorganismen, die der Most aus dem Weinberg mitbringt. Früher (bis in die 70er Jahre) kannte man nur diese Art von Gärung. Heute werden die Moste vielfach stark vorgeklärt und Reinzuchthefen zugesetzt, die in vielen Varianten am Markt angeboten werden.
  • Die Gärung verläuft dann in aller Regel zwar problemfrei, und der Winzer kann sein Risiko minimieren, allerdings entstehen damit auch uniformere Weine. Viele Weinliebhaber schwärmen daher wieder von der Spontangärung und Terroir-geprägten Weinen. Macht sie eine Spontangärung wirklich kräftiger und vielschichtiger, oder ist das mehr Glaubensache, wenn nicht gar Scharlatanerie? Schon länger arbeiten engagierte Winzer die Terroir-Prägung ihrer Weine heraus. Gemeint sind die Geschmackseinflüsse des Boden, des tieferen Untergrunds, der Feuchtigkeit, der Hangneigung, dem Kleinklima usw. So entstand der Versuch, auch den natürlichen Hefen, welche die Trauben aus dem Weinberg mitbringen, wieder mehr prägenden Einfluss zu geben.
  • Alle diese Mikroorganismen kommen reichlich in der Natur vor und gelangen auf den Trauben und mit dem Most in den Keller. Auch dort leben dem Auge verborgene Hefen in großer Zahl und prägen den Weinstil eines Betriebes mit. Ein sich selbst überlassener Most fängt daher spontan an zu gären. So war es über Jahrhunderte. Heute sind etwa 700 Hefearten mit 5000 Stämmen bekannt. Die wichtigste und erwünschte Hefe, welche schöne fruchtige Weine bringt, ist die Saccharomyces cerevisiae, von der es wiederum viele Spielarten gibt, eben die Weinhefe, aber auch Bier- und Backhefen.
  • Reinzuchthefen werden seit über dreißig Jahren in großer Variationsbreite mit verschiedenen Geschmacksprofilen angeboten. Dieses Vorgehen bringt hohe Sicherheit bei der Gärführung und saubere, fruchtige und bekömmliche Weine, die rasch trinkfertig sind. Daher ist die Vergärung mit Reinzuchthefen heute weithin üblich. Leider war aber auch festzustellen, dass diese Weine weniger Individuelles zeigen und vergleichsweise rascher altern. So entstand erneut eine lebhafte Diskussion um die Spontangärung und die schönen Geschmacksprofile, die durch sie im Laufe einer längeren Reifung entstehen.
  • Was nützt es aber dem Winzer, wenn der spontan vergorene Wein zwar anders, dafür aber Kunden nicht besser schmeckt? Hier muß der Winzer entscheiden, welchen Weg er gehen will.
  • Und unerfahren geht er ein Risiko ein, wenn das Erntegut nicht ganz gesund ist oder die hygienischen Bedingungen im Betrieb nicht penibel eingehalten werden. Als die Spontanvergärung in Mode kam und die Winzer noch nicht so geübt waren, fand man in spontan vergorenem Wein häufig den sogenannten Böckser. Dabei verursachen schwefelhaltige Verbindungen Fehlgerüche nach faulen Eiern, Gummi oder Zwiebeln im Wein. Auch Lösungsmittelgeruch, Essiggeschmack oder medizinische Noten können spontan vergorenen Wein ungenießbar machen.
  • Die Weingilde kennt aus ihren vielen Verkostungsreihen diese Problematik und da sind schon viele heftige Diskussionen entstanden. Heute bekommen die Winzer aber Empfehlungen an die Hand, wie eine Spontanvergärung besser glücken kann, um das Risiko schlechter Weine zu minimieren.. Dazu gehört z.B. auch eine ständige Überwachung des Gärprozesses – wirklich spontan passiert dann im Keller aber nichts. Der Wein muß eine Geschichte erzählen mit dem Winzer, der Region, seinem Wachstum, seinem Boden und wenn alles stimmig ist, dann gehen Wein und Kunde eine Verbindung ein – egal, welche Hefe.

Quellen: bonvinitas, Süddeutsche Zeitung, Weinhalle, eigene Recherche

Weine von der Nahe,

präsentiert von Boris Auer im Hof des Weingutes Mohr. Endlich wieder Präsenz, endlich wieder rege Diskussionen und flotter, kenntnisreicher Gedankenaustausch. Vielschichtig wie der Boden der Weinregion Nahe waren die Beiträge zu Weiß- und Grauburgunder und zum Riesling, aber immer zustimmend; ebenso zum Spätburgunder, auch der Sauvignon blanc am Ende von Roland Turowski spendiert und besprochen fand seine Freunde. Kontrovers war die Diskussion über den Zusammenhang zwischen Terroir und Reben und die Bezeichnung auf den Etiketten: “vom Vulkan”, “vom Schiefer”, vom roten Sandstein” etc. Nur Marketingmasche oder auch ein Hinweis zum Geschmack? Als Ergebnis konnten die vielen Mitglieder und zahlreichen Gäste mit nach Hause nehmen, daß die Weine von der Nahe sich nicht in eine Schublade stecken lassen und eigentlich für jeden Genußtypen etwas zu bieten haben.

Weine von der Nahe

ist das Thema der ersten Präsenzveranstaltung der Weingilde Bergstraße im Jahr 2022 am Freitag 13.5. um 19.30 Uhr im Restaurant des Weinguts Mohr in Bensheim in der Grieselstraße. Mitglied Boris Auer hat sich in dem Weinanbaugebiet umgesehen und wird eine spannende Verkostung mit vielen Hintergrundinformationen präsentieren.

Obwohl diese Region zwischen Mosel und Rhein bereits von den Römern als Weinregion geprägt und dann 1935 in einer staatlichen Verfügung als eigene Weinbauregion bezeichnet worden ist, wurden die heutigen Grenzen des Anbaugebiets Nahe erst mit dem Weingesetz 1971 festgelegt. Damit wurde es für die hiesigen Winzer zur Pflicht, »Nahe« auf dem Etikett auszuweisen. Vorher war es noch weit verbreitet, die Weine aus dem Nahetal als »Rheinweine« zu verkaufen. Die Weinberge erstrecken sich auf das gesamte Nahetal sowie auf deren Nebenflüsse Guldenbach, Gräfenbach, Glan und Alsenz. Die Landschaft der mittleren Nahe ist von tiefen Tälern und hohen, steilen Felswänden geprägt. Der Soonwald und der Hunsrück mit seinen bis zu 600 m hohen Bergen bilden einen hervorragenden Schutz gegen Nordwinde. In den geschützten Südlagen herrscht in den Sommermonaten beinahe ein mediterranes Klima. Hier fühlen sich besonders die klassischen weißen Rebsorten wohl. Die feinrassigen Rieslinge von den Schieferböden in Steillagen zählen zu den besten Deutschlands, und auch ausdrucksvolle Müller-Thurgau sowie milde und vollmundige Silvaner werden hier erzeugt. Weitere häufig angebaute Rebsorten sind grauer und weißer Burgunder, Kerner, Scheurebe und Bacchus. Rotwein spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Das Weinland Nahe hat 4239 ha Rebfläche, davon 75 % weiße und 25 % rote Trauben. 180 verschiedenen Bodenformationen und damit deutschlandweit die größte Bodenvielfalt bringen ganz unterschiedliche Geschmackserlebnisse in die Flasche. Der Weingenuss, den Nahe-Winzer liefern, lässt sich in einem Satz nicht beschreiben. Zu groß sind die aromatischen Unterschiede. So bietet ein Wein, dessen Trauben auf Konglomerat-Boden (Quarz, Schiefer, Lös, Lehm, Porphyr) gedeihen durften, herrliche Noten von gelber Steinfrucht und exotischem Obst, während roter Sandstein vor allem dem Riesling deutliche Apfelnuancen und Birnennoten schenkt. Tonschiefer wiederum fördert Kräuteranklänge und Zitrusfrucht. Die Weingärten befinden sich größtenteils in Flach- und Hügellagen und nur ein geringer Teil in Steillagen wie z.B. um Bad Münster. Die Nahe also hat für jeden Genusstypen etwas zu bieten. Das herauszustellen wird eine nicht ganz leichte Aufgabe des Referenten sein, denn die Weinbauregion Nahe läßt sich nicht leicht in eine Form pressen oder einfach in eine Schublade packen oder wie auch gesagt wird: Wein für echte Typen, charakterstark und unverkennbar.

Diese Weine besitzen viele Besonderheiten, wie uns Boris Auer mitteilt, eine jedoch sticht besonders hervor: Nahe-Weine erschließen sich dem Verkoster zumeist im Ausschlußverfahren. “Schmeckt ein Riesling weniger würzig, voll und erdig (wie die Pfälzer und Rheinhessen), sondern eher straff und zitronig, aber nicht so schieferig wie ein Mosel… dann liegt man mit der Nahe ziemlich gut.” (Zitat ChezMatze online, ein Wein-Blogger aus Bamberg). Woher das kommt? Mosel und Rheingau verfügen vornehmlich über Schieferböden, die Pfalz über Kalk-, Lös- oder Sandböden etc, aber die Nahe hat (siehe oben) einfach alles. Oder wie der bekannte Weinkritiker Stuart Pigott schreibt: „Die Nahe ist bis heute mein liebstes deutsches Weinbaugebiet“ , sagt der Brite mit inzwischen deutschem Pass, „sie bietet so viele Köstlichkeiten wie eine Juwelierauslage Juwelen bietet.“ Und er sagt weiter: “Die Nahe mag eine der weniger bekannten Weinregionen Deutschlands sein (nur Hessische Bergstraße, Saale/Unstrut sowie die Elbe untertreffen sie an Bekanntheit), sie ist gleichwohl die vielleicht spannendste. Das Ausmaß, in dem die Böden und ihr Charakter dort von jetzt auf gleich wechseln, von einer Kleinstlage zur nächsten, oft im Verlauf von nur hundert Metern, ist ziemlich einzigartig. Genau das ist aber das Wesentliche bei Wein, dass er maßgeblich nach dem Boden schmeckt, auf dem und in dem er wächst. Irre Böden, irrer Wein.” Wir dürfen gespannt sein.

Quellen: vino-culinarion, Silkes Weinkeller, Wikepedia, Che Matze, Stuart Pigott

Was wir vielleicht noch nicht gewußt haben – Folge 9

  1. Bio- Wein mit Zukunft? Frankreich ist Biowein Nummer Eins. Nach Angaben des Zertifizierungsinstituts Agence Bio schob sich Frankreich mit mehr als 137.000 Hektar am bisherigen Spitzenreiter Spanien (wer hat das gewußt? Spanien Biowein-Spitzenreiter!) und auch an Italien vorbei. Zulegen konnten Spanien und Italien dennoch, sodass rund 85 Prozent der weltweiten Bio-Fläche auf das Konto dieser 3 Länder geht. Für Deutschland hat das statistische Bundesamt im Jahr 2020 knapp 9.600 Hektar biologisch bewirtschaftete Weinberge ausgewiesen. Schweirig wird die Erfassung mangels einheitlicher länderübergreifender Regelungen beim Blick auf die außereuropäischen Weinbauländer. Hier gibt es keine klaren biozertifizierten Regeln. Das Haupthindernis für die Entwicklung des ökologischen Weinbaus ist offensichtlich das Klima. Während Bio-Weinbau im sommertrockenen Mittelmeerraum gut funktioniert, können Winzer aus nördlicheren Regionen in feuchten Sommern an ihre Grenzen kommen. Das wurde vielen Öko-Winzern aus Deutschland nach den Peronospera-Befällen 2021 schmerzlich bewußt.
  2. Dazu paßt, daß das staatliche Weinbauinstitut Freiburg eine neue Broschüre zu den pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen veröffentlicht hat. Viele der Freiburger Neuzüchtungen stoßen auch außerhalb Deutschlands auf reges Interesse. Dazu paßt auch, daß die Weingilde Bergstraße sich schon zwei mal mit diesen Zukunftssorten beschäftigt hat.
  3. Es gibt inzwischen auch einen großen internationalen Bio-Weinpreis, der mittlerweile in die 13. Auflage gegangen ist (2021: 500 Bioweine aus 13 Ländern). Erfolreichster Biowein-Produzent ist erneut Italien und erstmalig auf Platz zwei Frankreich, gefolg von Spanien, dann Deutschland und Österreich. Die Jury sieht in der Entwicklung der letzten Jahre immense Qualitätssprünge. Biowein definiert sich heute nicht mehr ausschließlich über seinen ökologischen Ausbau, sondern mehr über seine Qualität. Dies konnte die Weingilde auch bei ihrer 10. und 11. online-Verkostung mit Piwi-Weinen oder auch Zukunftsweinen genannt in rot und weiß feststellen.

Quellen: der deutsche Weinbau, Weinwirtschaft