SolidAHRität mit den Winzern an der Ahr

Meldungen aus dem DWI

Flutkatastrophe an der Ahr: So können Sie helfen

20.07.2021

An der Ahr stehen zahlreiche Weinerzeuger vor dem Nichts: überflutete Büros, Keller und Weinlager, zerstörte Maschinen. Das Deutsche Weininstitut (DWI) listet Spendenaufrufe sowie Hilfsaktionen von Weinerzeugern, Handel, Verbänden und Organisationen, an denen Sie sich beteiligen können.

In den Weinbergen an der Ahr reift derweil der Jahrgang 2021 heran. Neben Spendeninitiativen bieten Weinerzeuger aus den anderen deutschen Anbaugebieten daher auch ganz praktische Hilfe an: Maschinen und personelle Untersützung für die Arbeit in Weinberg und Keller. Auch Patenschaften zwischen Weinerzeugern sind bereits angedacht – und angelaufen.

Praktische Hilfe von und für Weinerzeuger/innen bei den Arbeiten im Weinberg

Wenn Weinerzeuger aus anderen Gebieten helfen wollen (viele tun das dankenswerterweise bereits) sollten sich diese Berufskolleg/innen bitte per Mail an Herrn Althammer (c.althammer(at)events-ahrtal.de) wenden und dort hinterlassen, wann und in welcher Form (Arbeitskräfte, Maschinen, Gerätschaften etc.) sie helfen können. Er fungiert als zentrale Koordinationsstelle für alle Winzer/innen im Ahrtal und wird die Angebote dann zielgerichtet – auch mit Informationen, wie man dort hin kommt – weiterleiten.

Weitere Hilfsangebote

Das Deutsche Weininstitut (DWI) veröffentlicht Hilfsangebote, die Weinerzeuger an der Ahr unterstützen. Mailen Sie an: onlinekommunikation(at)deutscheweine.de 

Flutopfer-Weinpakete von vielen Weinerzeugern, deren Erlös Weinerzeugern an der Ahr zugute kommt:

Quelle: Dt. Weininstitut


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Historischer Weinbau – Chance für eine regionale Wertschöpfung

Das nova-Institut und die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft haben sich im Rahmen von „AgroBioNet – Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen“ intensiv mit diesem Thema beschäftigt, darunter auch mit alten Rebsorten. Das Projekt wurde durch BMEL und BLE im Bundesprogramm Ländliche Entwicklung gefördert. 21 praktische Beispiele sind in der Broschüre des nova-Instituts zu finden unter dem Titel “Wertschöpfung mit alten Sorten und alten Rassen”. Von alten Rinder- oder Schweinerassen über historische Bier-, Brot- und Obstsorten bis zum Gemüse, aber eben auch alte Rebsorten. Leider sind viele Sorten und Rassen in den letzten Jahren verloren gegangen. Nimmt man sich ihrer wieder an, entsteht ein weites Feld an Möglichkeiten für Produktinnovationen. Das würde dann zwangsläufig zu einer Image- und Markenbildung im Wettbewerb der Regionen führen.

Bei diesen vergessenen Sorten ist auch seit 1991 wieder der rote Riesling von der hessischen Bergstraße dabei: Der Rote Riesling wurde bis ins 19. Jahrhundert angebaut und galt danach lange Zeit als verschollen. Oft als „Ur-Riesling“ bezeichnet, wird er in der „Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen“ geführt. Heute werden rund 40 Hektar dieser alten Rebsorte wieder angebaut, davon 12 Hektar durch die „Bergsträsser Winzer eG“ und 0,5 Hektar beim Weingut „Corvers-Kauter“ im Rheingau. Die Rebsorte bildet nicht nur für die Genossenschaft sondern auch für die Region Hessische Bergstraße ein wichtiges Identitäts-Merkmal. Neben der hohen Qualität im Geschmack bietet der Rote Riesling Winzern weitere interessante Eigenschaften. Die alte Rebsorte ist robuster und kann wegen weniger Fäulnis rund eine Woche später geerntet werden als der weiße Riesling. Sie wird daher auch als „Klima-Riesling“ bezeichnet. Für die Aromabildung und die geschmackliche Ausprägung hat diese spätere Lese positive Effekte. Die Säure wird auf Grund der bei heißen Sommertemperaturen größeren Erwärmung dunkler Beeren stärker abgebaut und die Extraktwerte sind deutlich höher als beim weißen Riesling.

Während in den Weinbaugebieten ab dem 19. Jahrhundert Reben sortenrein gepflanzt und gekeltert wurden, hat sich der alte historische Mischsatz in Franken bis in die heutige Zeit gerettet. Die Anbauform beruht auf bis zu 40 alten fränkischen Landsorten, die zum Teil in der „Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen“ geführt werden. Der „Alte Fränkische Satz“ ist in Bayern seit 2018 als eigene Sorte zugelassen. Rund 50 Winzer erzeugen diesen Wein heute auf etwa zehn Hektar Fläche mit noch teilweise wurzelechten Reben, die bis zu 285 Jahre alt sind, oder mit Neupflanzungen. Die Weine mit ihrer besonderen Geschichte stehen für regionale Authentizität sowie Qualität und Vielfalt und ermöglichen den Winzern, sich von der Masse abzuheben. Eine genauere Untersuchung der Rebsorten förderte 2007 alte fränkische Landsorten wie Adelfränkisch, Heunisch, Vogelfränkisch, Hartblau, Grünfränkisch und Blauer Kölner sowie verschiedene Silvaner-Varietäten zutage. Sie waren dort in der historischen Mischform, dem „Frentsch“ oder „Fränkischen Satz“ angebaut worden, wie es vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert üblich war.

Sowohl der rote Riesling wie auch der alte fränkische Satz waren schon mehrmals Thema bei Veranstaltungen der Weingilde und haben großen Anklang gefunden.

Die Zisterzienser-Mönche des Walheimer Hofs bei Hahnheim, einem landwirtschaftlichen Außenbezirk des Klosters Eberbach, haben bereits vor Jahrhunderten in der Region des Abthofs Gelben Orleans angebaut, so ist es in der Geschichte des kleinen rheinhessischen Weinorts Hahnheim überliefert. Die hohe Qualität und der feine Geschmack des Orleansweins sind historisch überliefert und bestätigten sich auch bei den Weinen des Abthofs. Im Anbau verfügt der Gelbe Orleans über interessante Vorteile. Dadurch dass der Wein etwa zwei Wochen später geerntet wird als andere Rebsorten, können die zunehmenden Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht zur Entwicklung des feinen, eleganten Aromas beitragen. Darüber hinaus verfügen die Orleans-Trauben über recht feste Schalen, die sie im Sommer bei extremen Temperaturen schützen und im Herbst weniger pilzanfällig machen. Durch diese Eigenschaften verfügt der Gelbe Orleans über Vorteile bei der Anpassung an die aktuellen klimatischen Veränderungen.

3 historische Rebsorten, die es verdienen, sich näher mit ihnen zu beschäftigen.

Quelle: nova-Institut

Gute Beurteilung für die Weine der hessischen Bergstraße

Wie einigen respektablen Weinführern und der hiesigen Presse zu entnehmen ist, sind unsere Weine und deren Produzenten wieder einmal gut beurteilt worden. So schreibt z.B. “Vinum” in seinem Weinguide Deutschland 2021: “Vorwiegend Kleinbetriebe bewirtschaften die Mehrzahl der zerstückelten Weinberge an der Hessischen Bergstrasse im Nebenerwerb. Wer hätte daher gedacht, dass dieses kleine Anbaugebiet mit grossartigen Rotweinen von bisher unbekannter Delikatesse derart auftrumpft?” Der “Eichelmann” gilt als umfassendster und kritischster deutscher Weinführer. In der 21. Auflage bietet er eine Einführung in die deutschen Weinanbaugebiete, alphabetisch geordnete Porträts zu den besten Erzeugern und die Bewertung und Beschreibung ihrer Weine. So schreibt er über die Bergstraße, daß diese Weinregion eine Art gallisches Dorf sei, man lieber unter sich bleibe und den hier angebauten Wein gerne selbst trinke, aber es seien zeimlich gute Weine dabei.

Weinregion Bergstraße, bei Heppenheim, Lage Eckweg

Auch “Falstaff” schreibt: “An der Bergstraße dominiert ebenso wie im Geschwister-Gebiet Rheingau – beide gehören zum Bundesland Hessen – der Riesling. Die Weine aus Heppenheim und Bensheim fallen dabei etwas schlanker und kerniger aus als diejenigen des Rheingau – doch reifen können sie beinahe ebenso gut.” Und der “Feinschmecker” schreibt: “Die Weinberge liegen in 17 Einzellagen: Das ist beachtlich und macht die Genossenschaft im kleinsten Anbaugebiet Deutschlands zum größten Weinerzeugerbetrieb in Hessen. Und was die Winzer aus ihren Trauben machen, hat uns in diesem Jahr zu einer Aufwertung bewegt: Die schöne Spätlese vom Heppenheimer Stemmler ist, ein süffiger Wein mit niedrigem Alkoholgehalt. Und der Sauvignon blanc verkörpert einen modernen Stil. Bei den restsüßen Qualitäten sehen wir noch mehr Potenzial im Spiel zwischen Süße und Säure.”

Diese Kritiken sind alle als Ansporn und Verpflichtung zu verstehen: Insgesamt großartige Weine in einer großartigen Landschaft.

Der Bergsträßer Weinfrühling zwischen 23.4. und 30.5. trägt der Pandemie Rechnung. Er macht in Corona-Zeiten mit digitalen Weinproben auf sich aufmerksam. Zwei Online-Proben sind terminiert für den 30. April und den 14. Mai. Also Weinfrühling dehaam. Die Mitglieder der Weingilde kennen das ja, denn wir bereiten uns gerade auf die 6. Online-Probe vor.

Weinkultur in Deutschland ist Immaterielles Kulturerbe

23.03.2021 Pressemeldung des deutschen Weininstituts

Die „Weinkultur in Deutschland“ wurde am 19.03.2021 von der Kulturministerkonferenz auf Empfehlung des Expertenkomitees der Deutschen UNESCO-Kommission in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Das Expertenkomitee würdigt damit die Weinkultur in Deutschland als offene, lebendige und wandlungsfähige Traditionspflege, die gesellschaftlich stark verankert ist. In der Begründung wird auch hervorgehoben, dass die Weinkultur in Deutschland soziale, handwerkliche, kulturlandschaftliche und sprachliche Aspekte sowie zahlreiche Feste und Bräuche beinhaltet. Insbesondere in den Weinanbauregionen selbst würde die Weinkultur den Lebensrhythmus vieler Menschen prägen und hätte damit oftmals eine lokale, identitätsstiftende Wirkung.

Die Bewerbung mußte durch zwei fachliche Begleitschreiben von unabhängigen, sachkundigen Personen unterstützt werden. In den Schreiben muß ein vertiefter Bezug der Bewerbung zu den Aufnahmekriterien und die fachliche Kompetenz der Verfasser erkennbar werden.

Die Weingilde Bergstraße unterstützte diesen Antrag “Weinkultur in Deutschland als immaterielles Kulturerbe” vor 2 Jahren mit einer Unterschriftenaktion und unser Ehrenmitglied Prof. Dr. Hans-Jörg Koch war der Verfasser eines dieser Schreiben, in dem er betonte, daß Weinkultur weltumspannend ist, Landschaften und Menschen prägt, Dichter, Künstler, Komponisten zu Schöpfungen hohen Grades inspiriert. Weinkultur ist die lebendigste Form völkerverbindende Erscheinung aller natürlichen Produkte dieser Erde, schon in den Psalmen der Bibel gepriesen ist er bis heute ein Herzstück europäischer Kultur, die gerade in Deutschland markant und vielfach ausgestaltet ist.

Damit ist ein langer Weg zu einem positiven Abschluß gebracht worden.

Quellen: dt. Weininstitut, Festschrift Weinbruderschaft Hessen (50 jähriges Bestehen)

Eiswein an der Bergstraße

Das könnte Eiswein werden

Den Winzern an der Bergstraße ist es mal wieder gelungen, einen Eiswein mit 140 Grad Oechsle zu ernten. Man muß schon Nerven haben, um bei diesen klimatischen Verhältnissen auf die geforderten minus 7 Grad zu warten. Eisweine sind hochwertige, recht dickflüssige, natursüße Weine. Das natürliche Gefrierkonzentrat wird aus Trauben hergestellt, die bei mindestens −7 °C gefroren geerntet und sofort danach im Weingut gepresst werden. Die Reben werden von Hand gelesen und das bei dieser Kälte.

Die Piwi (also pilzwiderstandsfähig) Rebe Souvignier Gris (ähnlich dem Grauburgunder) hat gezeigt, daß sie für Eiswein gut geeignet ist. Wir wünschen den Winzern noch mehr Tage mit minus 7 Grad, damit auch noch die letzten dieser Reben zu so einem hervorragenden Tropfen verarbeitet werden können.

Von Vorstandsmitglied Winfried Christ schon in 2020 versucht (8 % Alc.- Restzucker 85 g je Li und 143 Grad Oechsle). Weltweit der erste Eiswein dieser Sorte, gelesen 18.1.2019. Souvignier Gris, eine PIWI-Neuzüchtung von 1983.

Quellen: Wikepedia und Bergsträßer Anzeiger

Winterstimmung “Alte Burg”

Foto von Roland Turowski Lage “Alte Burg”

Noch einmal zur Erinnerung: Das Weinbaugebiet Bergstraße ist in 2 Bereiche unterteilt: Umstadt und Starkenburg und der Bereich Starkenburg in 3 Großlagen: Rott, Wolfsmagen und Schloßberg. Die Lage “Alte Burg” (Zwingenberg) gehört zur Großlage Rott. Wie es damit in Zukunft weitergeht, wenn wir an das neue deutsche Weinrecht denken, ist noch nicht bekannt. Der Weinbauverband hält sich noch bedeckt und ist nicht glücklich über die Reform des Weinrechts in Deutschland (siehe Artikel von Thomas Tritsch im BA vom 7.6.2021).

Weingut Jäger übernimmt Weingut der Stadt Bensheim

Das bis auf das Jahr 1504 sich zurück verfolgen lassende Weingut der Stadt Bensheim wird vom Weingut Jäger (ebenfalls Bensheim) zum 1.1.2021 übernommen.

Axel Seiberth, der 1987 die Leitung des traditionsreichen Weingutes der Stadt übernommen hat, ist zum Jahreswechsel 2020/2021 in den Ruhestand gegangen. 13 ha der Lagen Kirchberg, Streichling und Kalkgasse gehen nun in den Besitz von Michael Jäger über, der mit seinem Besitz von 5 ha der Lagen Hemsberg, Paulus und Streichling, dann 18 ha Wein der besten Lagen von Bensheim auf sich vereinigt.

Das Gebäude des Weingutes der Stadt Bensheim wird bald aus dem Stadtbild verschwinden, denn dort soll ein 3-stöckiger Neubau entstehen. Wo dann das neue vegrößerte Weingut Jäger seinen Sitz haben wird, ist noch nicht entschieden. Ein Platz am Berliner Ring/Saarstraße ist im Gespräch. Michael Jäger und Sohn Sebastian werden die Tradition fort führen und den Weinkenner und Genießer weiter mit guten Tropfen versorgen. Die Weinstube am Rinnentor wird natürlich weiter bestehen bleiben.

Weinbau a.d. hess. Bergstraße 2019

Die hessische Bergstraße ist mit 463 ha weiter das kleinste Anbaugebiet Deutschlands, gefolgt vom Mittelrhein mit 468 ha, der Ahr mit 562 ha und der Saale-Unstrut mit 798 ha. Größtes Gebiet – wie immer – Rheinhessen mit 26.860 ha (so die Zahlen des statistischen Bundesamtes 2019). Auf gesamt 105.000 ha wird Wein in Deutschland angebaut, davon 35.000 ha Rotwein und 70.000 ha Weißwein mit dem Riesling an der Spitze mit 24.049 ha gefolgt vom Chardonnay mit 30 % Anteil; beim Roten finden wir inzwischen den Merlot mit 36 % an der Spitze, gefolgt vom Spätburgunder mit 33 % Anteil.

hess. Bergstraße: weiß 79 %, rot 21 %; Riesling 39,7 %, Grauburgunder 12,1 %, Spätburgunder 11 %, Weißburgunder 5,4 %.

Die Rebsorte Riesling ist typisch für das Gebiet und wird ergänzt durch Rivaner, Grauburgunder, Silvaner, Kerner und Weißburgunder. Eine Rarität ist der Rote Riesling; er wird auf etwa 20 Hektar angebaut. Stark im Kommen ist der Anbau der roten Sorten Spätburgunder, Dornfelder und St. Laurent.

Das Anbaugebiet ist in die zwei Bereiche Umstadt (Odenwälder Weininsel) und Starkenburg, in drei Großlagen und in 23 Einzellagen geliedert. Die Weinbau-Gemeinden mit ihren Einzellagen:

  1. Alsbach: Schöntal
  2. Auerbach: Alte Burg, Fürstenlager, Höllberg
  3. Bensheim: Fürstenlager, Hemsberg, Kalkgasse, Kirchberg, Paulus, Streichling
  4. Brensbach: Heilige Tanne
  5. Dietzenbach: Wingertsberg
  6. Erbach (Ortsteil Heppenheim): Maiberg
  7. Gronau (Ortsteil Bensheim): Hemsberg
  8. Groß-Umstadt: Herrnberg, Stachelberg, Steingerück
  9. Heppenheim: Centgericht, Eckweg, Maiberg, Steinkopf, Stemmler
  10. Heubach (Ortsteil Groß-Umstadt): Herrnberg
  11. Kleestadt (Ortsteil Groß-Umstadt): Stachelberg
  12. Klein-Umstadt (Ortsteil Groß-Umstadt): Stachelberg
  13. Roßdorf: Roßberg
  14. Schönberg: Fürstenlager, Herrnwingert
  15. Seeheim (mit Ortsteil Jugenheim): Mundklingen
  16. Unter Hambach: Maiberg, Steinkopf, Stemmler
  17. Zell: Hemsberg, Streichling
  18. Zwingenberg: Alte Burg, Steingeröll
Blick von der Lage Steinkopf respektive Stemmler auf den Hemsberg mit den Lagen Centgericht und Paulus dazwischen

Die “Region Starkenburg” beginnt südlich von Darmstadt mit vereinzelten Weinbergen in Seeheim und Alsbach. Nach Süden hin werden ab Zwingenberg die Rebflächen geschlossener. Weinbauliche Schwerpunkte finden sich in Auerbach, Bensheim und den nahe gelegenen Talgemeinschaften Zell und Gronau sowie in Heppenheim, das mit seinen Stadtteilen Hambach und Erbach die flächenmäßig bedeutendste Weinstadt an der Bergstraße ist. Südlich von Heppenheim endet dieser Bereich an der hessisch-badischen Landesgrenze.

Der zweite, wesentliche kleinere Bereich – die “Odenwälder Weininsel” – trägt den offiziellen Namen “Bereich Umstadt”. Mittelpunkt ist die Stadt Groß-Umstadt.

Quellen: statistisches Bundesamt, dt. Weininstitut, Weinbauverband hess. Bergstraße

Neues deutsches Weinrecht

Wer kennt das nicht: Man möchte einen Wein kaufen und der Blick auf das Etikett macht einen ratlos. Wir unterscheiden Ortswein, Gutswein, Lagenwein nach VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter), aber auch Kabinett, Spätlese, Auslese nach Öchslegrad. An sich war bisher ausschlaggebend für die Höhe der Qualität in Deutschland nicht die Herkunft (Gebiet, Bereich, Lage), sondern der Zuckergehalt der Trauben, d.h. das Mindestmostgewicht gemessen in Öchsle (Oe). Weiter steht im bisherigen Recht die Angabe der Rebsorte im Mittelpunkt verbunden mit Jahrgang und Name der Weinbergslage. Das führt z.B. dazu, daß der Moselwein “Piesporter Michelsberg” aus 37 Einzellagen in 9 verschiedenen Gemeinden besteht.

 Prädikat Öchslegrad
 Kabinett  mind. 73°
 Spätlese  mind. 85°
 Auslese  mind. 92°
 Eiswein  mind.120°
 Beerenauslese  mind. 120°
 Trockenbeeren-
auslese
  mind. 150°
so das alte System
Verwirrende Flaschen- und Etikettenvielfalt

Abhilfe soll nun nach dem Willen der Bundesregierung unter Federführung des Landwirt-schaftsministeriums eine sogenannte Herkunftspyramide schaffen. Ganz oben stehen Weine aus einzelnen Weinbergslagen, ganz unten steht Landwein ohne genauere Herkunftsangaben. Es gilt der Grundsatz: Je kleiner die Herkunft, desto höher die Anforderung und Qualität. Am Beispiel “Piesport” soll bei solchen Großlagen künftig der Ortsname nicht mehr auftauchen.

Da aber nicht jede Herkunft geeignet ist, einen Spitzenwein hervorzubringen, hat das alte Prinzip Schwächen; bestimmen doch Boden, Klima, Umwelteinflüsse und natürliche Gegebenheiten maßgeblich die Weinqualität. Die romanischen Länder tragen dem mit einer Herkunftspyramide bereits lange und mit großem Erfolg Rechnung. Interessant wäre in diesem Zusammenhang, wie sich unser Bergsträßer Weinbauverband dazu stellt, und ob und wann er die Initiative zu einer neuen Klassifizierung der Lagen ergreift.

Herkunftsfpyramide Wein: v. oben nach unten: geschützte Ursprungsbezeichnung-Mosel, gesch. geogr. Angabe-Landwein Mosel, ohne geschützte Herkunft-Dt. Wein; 2. Pyramide: Lage-Trittenheimer Apotheke, Ort-Trittenheim, Region-Michelsberg, Anbaugebiet-Mosel.
so soll sie aussehen, die Herkunftspyramide

Der Deutsche Bundestag wird voraussichtlich Ende Oktober über das Zehnte Gesetz zur Änderung des Weingesetzes debattieren. Das Gesetzesvorhaben bedarf zudem der Zustimmung des Bundesrates. Ob es bei diesem Plan angesichts unserer pandemischen Corona-Entwicklung bleibt, ist noch offen.

Quellen: Bundesregierung, Bundeslandwirtschaftsministerium, eigene Recherchen