Weingilde plant Zukunft

Mitgliederversammlung 2025: Abschiede, Dankbarkleit und Wunder

Die Weingilde Bergstraße hat die Top-Themen der Weinbranche auch 2025 fest im Blick: Von A bis Z – von den Absatz- und Umsatzrückgängen durch das sich verändernde Konsumverhalten bis hin zu den Zukunftsaussichten der Betriebe. “Plötzlich stehen Themenkreise und neue Produkte oder Strategien im Fokus, die lange Zeit unterschätzt, marginalisiert, verdrängt oder völlig ignoriert wurden”, erklärt Gilde-Vorsitzender Manfred Berg in seinem Jahresbericht. In der Mitgliederversammlung der Gilde in Bensheim verwies Berg auf den Trend zu alkoholfreien Weinen und den Einsatz von “Piwis” – von robusten Rebsorten, um den Einsatz von Planzenschutzmitteln im Weinbau drastisch zu reduzieren: “Wir versuchen, möglichst viele Aspekte der großen Welt des Weins wahrzunehmen und – neben unseren bisherigen Zielen – in unsere Veranstaltungen einfließen zu lassen.”

Mitgliederversammlung 2025: Vorsitzender Manfred Berg präsentiert im Wappensaal des Dalberger Hofs in Bensheim den Jahresbericht und die Zukunftspläne der Weingilde Bergstraße. Fotos: rge

Deutlich wird dies bei der Programmplanung der Weingilde für 2025: Neben Weinproben testet die Gilde verstärkt neue Veranstaltungsformate – auch mit dem Ziel, neue Mitglieder zu gewinnen. Zum Beispiel beim Weintreff 2025 (26. April), bei dem die Weingilde erstmals Themenrundgänge anbietet und Trend-Themen auswählt. Wer Lust hat, kann sich zum Beispiel einem Rundgang zum Thema “Piwis” (Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten) anschließen. Oder in Kleingruppen gemeinsam erkunden, welche Sektspezialitäten das Anbaugebiet aktuell im Angebot hat bzw. welche Sauvignon-Blanc-Weine es inzwischen an der Bergstraße gibt. Eine Gruppe wird sich auf die Suche nach dem “Burgunderwunder” begeben: Burgunderreben sind in der Verbrauchergunst weiter im Aufwärtstrend. Bleibt der Riesling weiter die Hauptrebsorte? Auch diese Frage wird ein Rundgang zum Thema machen – eine andere Gruppe wird die Bandbreite der Bergsträßer Rotweine verkosten. Für Interessierte, die den Weintreff besuchen, ist die Teilnahme an den Themenrundgängen kostenlos. Weinfreunde bekommen so die Chance, sich beim Weintreff auf aktuelle Themen zu konzentrieren und in der Vielfalt des Angebots an Still- und Schaumweinen einen besser strukturierten Überblick zu bekommen (Anmeldung hier).

Burgunderwunder an der Bergstraße? Trotz der Riesling-Dominanz: Grauburgunder gewinnt weiter an Bedeutung. Vier recht unterschiedliche Bergsträßer Grauburgunder wurden bei der Mitgliederversammlung 2025 verkostet und diskutiert.

Wie der Bericht bei der Mitgliederversamnmlung dokumentierte, ist die Weingilde bereits mit erfolgreichen Angeboten ins Jahr 2025 gestartet: Mit einem gutbesuchten Neujahrsempfang im Januar – im Programmkino “Brennessel” (Hemsbach) und dem Filmdrama „Die Witwe Clicquot“. Bewährt hat sich die Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Freundeskreis Bensheim-Beaune (DFFBB) zudem im Februar bei der gemeinsamen Fahrt zur Weinmesse nach Straßburg (Elsass) – mit vielen Gelegenheiten zum Wein-Einkauf bei mehr als 500 Winzern aus allen Regionen Frankreichs. Bei der Gilde-Mitgliederversammlung im März standen Weine von der Bergstraße im Mittelpunkt: Vier Grauburgunder aus Alsbach, Zwingenberg, Bensheim und Heppenheim. Und ein 2023er Syrah aus der Lage “Auerbacher Fürstenlager”, der für angeregte Diskussionen sorgte: Welche Aussagekraft über Weinqualität haben Analysedaten zum “zuckerfreien Extrakt”?

Bemerkenswerter Rotwein: Dieser 2023er Syrah aus der Lage “Auerbacher Fürstenlager” sorgte bei der Weingilde Bergstraße für Genuss und Diskussionen.

Zudem wurde bei der Mitgliederversammlung der Weingilde ein Sekt ausgeschenkt: Ein 2019er Weißburgunder aus der Lage “Schönberger Herrnwingert”. Den trank die Gilde auf das Wohl eines Ehepaares, das jahrzehntelang im Verein engagiert war und nun zur Familie nach Sachsen umgezogen ist. “Auch wenn beide nun leider nicht mehr in der Weingilde sind, bleiben sie uns in bester Erinnerung: Als Gründungsmitglied und Organisatorin traumhaft schöner Sommerfeste auf Schloss Schönberg.” Deshalb hatte die Gilde diesen Sekt aus der Lage “Schönberger Herrnwingert” ausgewählt. “Unsere Weingilde ist eine Gemeinschaft mit gewachsenen Freundschaften. Deshalb möchten wir Freundinnen und Freunde nicht einfach von der Mitgliederliste streichen, sondern – wenn es denn schon sein muss – mit Dankbarkeit und Stil verabschieden”, erläutert Gilde-Vorstand Robert Eberle.

Viel Lob für seine lückenlos-nachvollziehbare Kassenführung und das kontinuierlich vorsichtig-kalkulierende Finanzmanagement erhielt Gilde-Rechner Achim Weidmann bei der Mitgliederversammlung. So verfügt die Gilde trotz gestiegender Kosten nach wie vor über einen stabilen Etat, der auch das Ausprobieren neuer Veranstaltungsformate möglich macht, ohne aktuell über eine Anhebung der Mitgliedsbeiträge beraten zu müssen.

  • Die Weingilde Bergstraße ist Mitglied der Bewegung “Wine in Moderation”, die für Wein mit Maß und Stil wirbt: Es geht um maßvollen Weingenuss als Teil eines gesunden Lebensstil. Wein ist nach Überzeugung der Gilde Lebensstilfaktor und Kulturgut zugleich.

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Faszination von Lieblingsweinen

Interessante Vergleiche – emotionale Geschichten – Raubkatze und Riesling

Wie wird ein Wein zum Liebling? Das kann sehr unterschiedliche Gründe haben, die nicht nur mit dem Geschmack zusammenhängen. Oft stecken spannende, emotionale, persönliche Geschichten hinter faszinierenden Lieblingsweinen. Dies konnten Weinfreundinnen und Weinfreunde bei einer “Lieblingsweinprobe” zum Start in den November (2024) in Bensheim erfahren. Die Weingilde hatte Mitglieder und Interessierte eingeladen, ihre (möglichst jungen und aktuellen) persönlichen Lieblingsweine vorzustellen.

Reife Aromen – frische Säuren – cremige Eleganz

So wurde in der Probe ein 2023 Sauvignon Blanc präsentiert, der in verschiedenen Weinbergen bei Deidesheim (Weingut von Winning) gewachsen ist und durch “reife Aromen von Maracuja und gelber Stachelbeere bei frischer Säure” das Herz eines Weingilde-Mitglieds erobert hat. Bei der Lieblingswein-Probe konnten interessante Vergleiche gezogen werden: Zum Beispiel zwischen einer 2021er Weißburgunder Spätlese (trocken) von der Bergstraße (Weingut Simon-Bürkle, Zwingenberg) und einem ebenfalls trockenen 2023er Weißburgunder-Gutswein von der Nahe (Weingut Emmerich-Koebernik, Waldböckelheim), der durch seine Frische und cremige Eleganz (“so ein junger Wein und soviel Frucht”) begeistert.

Riesling als Raubkatze verpackt: Lieblingswein mit besonderem Etikett!

Bemerkenswerte Rieslinge konnten ebenfalls verglichen werden: Ein halbtrockendes 2021er Riesling-Hochgewächs vom Mittelrhein (von der Weinbruderschaft Breyer Hämmchen) und ein raffiniert dosierter 2023er Riesling aus Rheinhessen – von einem Winzer (Wildener, Nack), der seine Weine mit Katzen auf dem Etikett vermarktet: Auch Vermarktungsideen und Etiketten können Weinfreunde faszinieren …

Ein Weingilde-Mitglied hatte als Lieblingswein einen 2020er Spätburgunder vom Weingut Steinmüller (Bensheim-Auerbach) aus seinem Keller mitgebracht – und so an den im Mai 2022 verstorbenen Winzer Rolf Steinmüller erinnert.

Vorgeschmack: Viognier-Probe für 2025 geplant

Nach den Lieblingsweinen gab die Weingilde zudem einen “Vorgeschmack”: Die Probenteilnehmer konnten einen spanischen Wein der Rebsorte Viognier kosten. Denn dieser Rebsorte Viognier will die Weingilde 2025 eine eigene Veranstaltung widmen. Hintergrund: Diese von der Rhône stammende Sorte gilt als besonders aromatisch und komplex – sie war in den 1960er Jahren fast verschwunden und ist heute wieder populär. Warum das so ist, soll eine Probe mit Viognier-Weinen aus aller Welt zeigen, die für 2025 vorgesehen ist. Weitere Informationen zum Programm der Weingilde Bergstraße unter weingilde-bergstrasse.de.

Weinlese 2023

“Der goldene Herbst hat die Bergsträßer Winzer nach einem schwierigen Anbaujahr versöhnt” steht als dicke Überschrift im BA. Weiter heißt es und so sehen es auch die Winzer, war eine selektive Handlese das Gebot der Stunde. Starke Niederschläge im Juli und August und auch ein kurzer Hagelschauer führten doch zu geringeren Erträgen. Und die Kombination von Hitze und Feuchtigkeit haben die Gefahr von Pilzbefall (Botrytis/Schimmelpilz) deutlich erhöht. Der falsche und der echte Mehltau und die Kirschessigfliege waren eine weitere Gefahr. Durch Ertragsreduzierung und gezieltes Vorlesen konnte man der Situation einigermaßen Herr werden. Lieber eine kleinere Lesemenge und gute Traubenqualität als hohe Oechslegrade, so die Bergsträßer Winzer. Zu den Gewinnern gehört eindeutig der später reifende Riesling, der mit den kühlen Nächten und milden Tagen ideale Bedingungen vorfindet. Da hatten es die früher reif werdenden Burgundersorten deutlich schwerer.

Bis jetzt sind die Winzer bei uns also im großen und ganzen zufrieden. Deutschland blieb dieses Jahr von größeren Katastrophen verschont. Im Gegensatz zu manchen Regionen in Italien oder Frankreich. Hier machte vor allem der falsche Mehltau (Peronospora) sehr zu schaffen. Aber auch Hagel und Unwetter verwüsteten z.B. am Gardasee große Mengen der diesjährigen Ernte, was zu manchem Engpass nächstes Jahr führen dürfte. Auch die Prosecco Winzer haben dieses Jahr mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen. Neben Unwettern herrscht hier auch ein akuter Erntehelfermangel. Die ganze Situation kann sich noch weiter zuspitzen, wenn Erntehelfermangel auf drohende Fäulnis durch feuchte Wetterperioden aufeinandertreffen.

Riesling
Gewürztraminer
Spätburgunder

So sehen die gesunden Trauben aus.( Bilder von Roland Turowski)

Und hier sehen wir, daß viel selektive Handlese erforderlich ist (Bild Christ)

Quellen: Der Weinmakler, Bergsträßer Anzeiger