Prickelnder Start 2026

Sektempfang: 200 Jahre Schaumweinproduktion

Bensheim. Die Weingilde Bergstraße erinnert im Jahr 2026 an ein prickelndes Jubiläum: Seit 200 Jahren wird in Deutschland Schaumwein produziert. In dieses Jubiläumsjahr startet die Weingilde deshalb mit einem Sektempfang: Am Samstag, 3. Januar 2026 (ab 11 Uhr).

Interessierte und Gäste sind dazu herzlich willkommen. Neben einem kurzen Vortrag über die Geschichte der Schaumweinproduktion in Deutschland präsentiert die Weingilde Jubiläums-Sektspezialitäten von Deutschlands ältester Sektkellerei.

Hintergrund: Die Gilde beschäftigt sich nicht nur mit Weinkultur, sondern auch mit Filmkultur und Wein-Geschichte. Beim Neujahrsempfang 2025 hatte die Weingilde ins Kino eingeladen und dort zum Historiendrama „Die Witwe Clicquot“ den passenden Champagner präsentiert.

Ein Geschäftspartner dieser Witwe, der die Geheimnisse der Schaumwein-Produktion in Reims (Frankreich) kennengelernt hatte, kam 1826 wieder in seine Heimat nach Deutschland zurück: Hier gründete Georg Christian von Kessler in Esslingen eine Sektkellerei – die älteste Deutschlands. Mit nachhaltigem Erfolg: Bereits ein Jahr später bekam Kessler von König Wilhelm I. von Württemberg die Große Verdienstmedaille des Landes verliehen – für die Förderung des Qualitätsweinbaus. Denn die Gründung der „Champagnerfabrik“ im Jahr 1826 motivierte immer mehr Winzer, minderwertige Massenträger wie Butschera („Putzscheere“) und Heunisch in ihren Weinbergen durch hochwertige Rebsorten (wie Riesling und Klevner) zu ersetzen.

„Unkompliziert: Beim Sekt ein gutes Jahr 2026 wünschen“

Beim Sektempfang der Weingilde zum Jahresauftakt soll jedoch nicht gefachsimpelt oder nur zurückgeblickt werden. Es soll unkompliziert zugehen – mit gemeinsamem Blick in die Zukunft: Interessierte können dazu auch Freunde und Nachbarn mitbringen, um miteinander auf das neue Jahr 2026 anzustoßen: „Wir planen unser Neujahrstreffen ganz bewusst am ersten Samstag des Jahres: Viele werden das mit einem Einkauf in Bensheims Innenstadt verbinden und sich freuen, zum Jahresauftakt vielen Freunden und Bekannten beim Plaudern und einem Glas Sekt alles Gute wünschen zu können.“ Interessierte können sich (Kostenbeitrag für die Sektprobe: 15 Euro für Gäste) bei der Weingilde anmelden. Veranstaltungsort: Scheune an der Stadtmauer (Obergasse 30 in 64625 Bensheim).

Wein oder “KeinWein”?

Gilde verkostet Innovationen

Bensheim / Zwingenberg. Wein oder nicht Wein … Das war die spannende Frage bei einer einzigartigen Veranstaltung der Weingilde Bergstraße mit Getränke-Innovationen, die bisher nur wenige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Forschung kannten. Hintergrund: Der Markt für alkoholfreie und alkoholreduzierte Alternativen wächst erkennbar über die Nische hinaus. Während der Weinbau weltweit unter einer Nachfrageschwäche leidet und der Pro-Kopf-Verbrauch auch in klassischen Weinländern wie Italien, Frankreich und Spanien sinkt, gewinnt das Segment der alkoholfreien Weine und Schaumweine an Bedeutung – auch in Deutschland. Forscher sehen die Bundesrepublik als größten Markt mit der stärksten Alkoholfrei-Dynamik in Europa.

Eine aktuelle Studie zeigt: “Die Hälfte der Befragten wünscht sich mehr No- und Low-Produkte, bei den 18- bis 29-Jährigen sogar zwei Drittel.” Interessant: Unter den Gästen der Weingilde war auch die amtierende Weinkönigin des Anbaugebietes Bergstraße, Chiara I. Sie gehört selbst zur Generation der jungen Leute mit Experimentierfreude und häufiger Skepsis mit Blick auf den mit klassischen Weinen meist verbundenen Alkoholkonsum. An traditionelle Weine gewöhnte Verbraucher lehnen alkoholfreie Produktangebote bislang oft strikt ab. Da Alkohol im Wein ein Geschmacks- und Aromaträger ist, hatten alkoholreduzierte Varianten bei Vergleichstests zunächst meist mäßig zufriedenstellend abgeschnitten.

Die Verkostung bei der Weingilde Bergstraße dokumentierte: Produzenten lernen dazu. Und es kommen neue Produkte auf den Markt – unterstützt durch Wissenschaft und Forschung.

Getränke mit Aromen aus Weinblättern

Erstmals konnten – bei einer solchen Verkostung – auch Getränke probiert werden, deren Grundlagen in Zwingenberg an der südhessischen Bergstraße wissenschaftlich erforscht wurden. Hintergrund: Ein multidisziplinäres Konsortium aus Biotechnologen, Önologen, Winzern und Nachhaltigkeitsexperten hatte Anfang 2024 mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein Innovationsprojekt gestartet. Ziel dieses Projektes (Projektname: „SusBev“ – „Sustainable Beverages“) ist das Verwerten und Fermentieren von landwirtschaftlichen Rest- und Nebenströmen aus dem Weinbau zu gesunden und schmackhaften Getränken und Nahrungsmitteln.

Fermentiertes Getränk auf der Basis von Weinblättern – aus Wissenschaft und Forschung: Spannende Verkostung der Weingilde Bergstraße in Bensheim. Fotos: Robert G. Eberle

Wolfgang W. Schäfer (TVC) erklärt die Weinblätter-Ernte für die Getränke-Innovation “KeinWein”.

“Weinkultur pflegen – gemeinsam Neues entdecken”

Konkret: Bisher nicht als Wertstoffe genutzte Blätter und Triebe von neuen, an den Klimawandel angepassten Rebsorten, werden genutzt, um weinähnliche Getränke herzustellen. Die Weingilde Bergstraße hat Projekt-Beteiligte nach Bensheim eingeladen – zum Beispiel Dr. Alice Kleber von der Biotechnologie-Unternehmensgruppe BRAIN Biotech AG. Sie brachte zur Probe fermentierte Getränke auf der Basis von Weinblättern mit (Alkoholgehalt: 0,8 %) – in einer stillen und einer prickelnden Variante. Zudem stellte Wolfgang W. Schäfer vom Beratungsunternehmen Tropical Viticulture Consultants (TVC) die Produktneuheit “KeinWein” vor: Eine (mit den Forschungserkenntnissen in Zwingenberg entwickelte Getränke-Innovation, die nun auf den Mark kommt. Interessant: Die „Kein Wein GmbH“ ist ein Ableger eines renommierten VDP-Weingutes in Gundheim (Rheinhessen). Für dieses Getränk werden unbehandelte junge Blätter regionaler Rebsorten im Mai / Juni im Wonnegau geerntet. Durch ein Bad in kaltem entmineralisiertem Wasser werden die typischen Aromen und natürliche Säure der Rebe extrahiert. Diese Infusion darf kontrolliert reifen und wird dann mit dem Saft der im Herbst ebenfalls aus eigenem Anbau geernteten Trauben verfeinert. Das Getränk schmeckt nicht wie ein typischer Wein – enthält aber Aromen und natürlichen Inhaltsstoffe der Weinrebe und verbindet diese in einem neuen Geschmackserlebnis.

Spannende Verkostung der Weingilde Bergstraße in Bensheim: Der Gilde-Vorstand (hier Manfred Berg, links) will die Entwicklungen in der Getränkebranche weiter aufmerksam beobachten.

Probiert werden konnten bei dieser – seit mehr als einem Jahr vorbereiteten – Verkostung der Weingilde zudem entalkoholisierte Weine aus der Region Bergstraße, aus dem Odenwald, der Pfalz, dem Rheingau und: Ein 2024er aus Katalonien (Spanien). Dessen Geschmack war in einem Vergleichstest von entalkoholisierten Weißweinen als einziger mit “gut” bewertet worden. “Wir werden diese Entwicklungen weiter gemeinsam und aufmerksam beobachten“, kündigen Manfred Berg und Robert Eberle vom Weingilde-Vorstand an. Die Gilde setze sich auch künftig für Weinkultur und ihre Kulturlandschaften ein – „offen für alle, die bei verantwortungsbewusstem Konsum bereit sind, Neues zu entdecken und Wert auf Nachhaltigkeit legen“. Bei allem Engagement für Weinkultur und -Traditionen betrachte es die Weingilde Bergstraße als Pflicht, sich sorgfältig mit der Dynamik auf dem Markt für alkoholfreie und -reduzierte Alternativen zu befassen. Eberle verwies auf das von einer Lebensmittel-Fachzeitschrift gekürte “Produkt des Jahres 2026”: Ein “Sparkling-Mix”, der unter der Verkehrsbezeichnung “aromatisiertes weinhaltiges Getränk” erfolgreich junge Zielgruppen anspricht. Eberle: “Die Weinkultur wird nicht untergehen, sich aber weiterentwickeln. Das wünschen wir auch Winzerinnen, Winzern und Weinbaubetrieben.” 

Spannende Verkostung der Weingilde Bergstraße in Bensheim – auch mit “KeinWein”.
  •  Die Weingilde Bergstraße ist Mitglied der Bewegung “Wine in Moderation”, die für Wein mit Maß und Stil wirbt: Es geht um maßvollen Genuss als Teil eines gesunden Lebensstils. Wein ist nach Überzeugung der Gilde-Mitglieder ein hohes traditionsreiches Kulturgut und für viele fester Bestandteil eines guten Essens. Gäste sind bei Weingilde-Veranstaltungen herzlich willkommen; die Gilde nimmt weitere neue Mitglieder auf, die sich für Wein-Kultur interessieren (und bereit sind, auch selbst einmal eine interessante Probe zu organisieren).

Was kann Bergstraße?

Probe: Weine aus Deutschlands kleinstem Anbaugebiet


Bensheim / Heppenheim / Zwingenberg. Rieslingtradition, Burgunderwunder oder Zukunftswein – weiß, rosé oder rot: Die Vielfalt
im kleinsten Weinbaugebiet Deutschlands ist beeindruckend. Und sie bietet
variantenreich-interessante Möglichkeiten, sich einem Wein zu nähern.

Die Weingilde hat für die nächste Verkostung Bergsträßer Gewächse ausgewählt, die sowohl typisch sind für unser Gebiet als auch die Diversität dicht benachbarter Terroirs widerspiegeln. Die Verkostung erfolgt am Samstag, 18. Oktober 2025, um 19:00 Uhr
in der Stadtmauer-Scheune am Walderdorffer Hof in Bensheim (Obergasse 30).

Anmeldung bitte bis 4. Oktober an vorsitzender@weingilde-bergstrasse.de .

Ananas-Noten im Apfelwein

Hervorgehoben

Weingilde Bergstraße feiert Sommerfest 2025

Bensheim / Brensbach. Während an der Bergstraße bereits Vorbereitungen auf das Winzerfest 2025 und die Weinlese laufen, konnten Weinfreunde in Bensheim im Spätsommer eine exklusive Probe mit Bio-Apfelweinen aus dem Odenwald genießen. Da „Ebbelwoi“ und „Gespritzer Apfelwein“ in Sommermonaten bei vielen Verbrauchern als prickelnde Erfrischung und Durstlöscher besonders populär sind, hat die Weingilde Bergstraße bei ihrem Sommerfest 2025 (am 23. August) sortenreine Apfelweine verkostet. 

Entdeckungsreise zu sortenreinen Weinen von Obstwiesen

Mit solchen sehr unterschiedlichen Entdeckungsreisen zu Geschichte(n), Weinkultur, Trends und Aromen will die Weingilde Bergstraße immer wieder dokumentieren, „dass wir kein Club von Etikettentrinkern sind, die ständig sündhaft teure Weine berühmter Chateaus und Weingüter probieren und dabei philosophieren“. Gilde-Vorstand Manfred Berg betonte beim Sommerfest in der gemütlichsten Scheune an Bensheims Stadtmauer: „Unsere Gilde ist ein Verein für Weininteressierte – für Menschen, die mehr über die Welt der Weine und die Weinkultur erfahren möchten.“ Dazu gehöre auch, sich wieder einmal mit interessanten Trends bei Apfelweinen zu befassen. „Wir sehen, riechen, schmecken und tasten uns durch die Welt der Weine – gesundheitsbewusst, mit Maß und Stil. Gemeinsam mit enorm viel Spaß bei unseren Treffen“, erläuterte Gilde-Vorstand Robert Eberle, der die Apfelweine aus dem Odenwald vorstellte. Eberle lobte das Engagement einiger Apfelweinkelterer, die mit Erfolg versuchen, die Charakteristika interessanter Apfelsorten zu bewahren: „Also Duft, Aroma und das Spiel von Frucht und Säure dieser Äpfel herauszuarbeiten – so, wie dies die Winzer bei Rebsorten und Trauben mit Blick auf Wein tun“.

Goldparmäne und Trierer Weinapfel im Probierglas

Zur Begrüßung konnten die Gilde-Gäste einen Schaumwein (Cider) „aus vielen Äpfel und ein paar Birnen“ verkosten – die Kombination mit eleganter Birnenfrucht begeisterte. Dann wurden drei sortenreine Apfelweine aus Brensbach im Odenwald (Kelterei Meyer) verglichen. Zum Beispiel ein Wein aus Äpfeln der Goldparmäne, die über viele Jahrhunderte als eine der besten Tafelobstsorten („Königin der Renetten“) galt. Aus dem Sortiment des modernen Erwerbsanbaus ist die pflegeaufwändige und krankheitsanfällige Goldparmäne inzwischen jedoch fast verschwunden. Der fruchtige Bio-Wein aus der alten Kulturapfel-Sorte empfiehlt sich als aromatischer Begleiter für leichte Speisen. Mit den Probiergläsern der Gilde konnten Sommerfestgäste mit ausgeprägtem Geruchs- und Geschmacksinn feine Ananas-Noten im Goldparmäne-Apfelwein entdecken. Der sortenreine Wein aus Rotem Trierer Weinapfel wird als belebender Genuss für Sommertage und gesellige Runden empfohlen – er präsentiert sich vergleichsweise spritzig, mit leichter Zitrusnote. Der samtige Apfelwein vom „Erbachhofer Weinapfel“ („mit warmen Noten von Vanille und Nuss“) wurde als exquisiter Genuss für besondere Momente und herzhafte Gerichte bewertet.

Weine aus Fundus – Thema mit Dynamik in Planungg für Oktober

Zum Ausklang des Festes wurden Weine (auf Traubenbasis …) aus dem Fundus der Gilde probiert. Hintergrund: Immer wieder legt die Weingilde interessante Entdeckungen in den Keller zurück, um ihre Entwicklung zu beobachten und sie Jahre später erneut zu verkosten.

Die Weingilde Bergstraße ist Mitglied der Bewegung “Wine in Moderation”, die für Wein mit Maß und Stil wirbt: Es geht um maßvollen Genuss als Teil eines gesunden Lebensstils. Wein ist nach Überzeugung der Gilde-Mitglieder ein hohes traditionsreiches Kulturgut und für viele fester Bestandteil eines guten Essens. Gäste sind bei Weingilde-Veranstaltungen herzlich willkommen; die Gilde nimmt weitere neue Mitglieder auf, die sich für Wein-Kultur interessieren (und bereit sind, auch selbst einmal eine interessante Probe zu organisieren).

Fotos: rge (Weingilde) / Titelfoto: Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie – VdF.