Südliche Toskana

Nach dem Sinnen- und Gaumengenuß der Region des Chianti Classico geht die Toskana-Reise weiter gen Süden. Nach dem Motto „Adel verpflichtet“, wenden wir uns den legendenumwobenen Weinstädtchen Montepulciano und Montalcino zu, die ergänzt werden von der aufstrebenden Weinregion der Maremma im Südwesten. Dazu kommt ein kleiner Ausflug an die Grenze zur Classico-Region mit der weißen Spezialität des Vernaccia.

Er beeindruckt schon, der blaublütige Sohn von Montepulciano: er spiegelt all das wieder, was Montepulciano und seine Umgebung ausmacht. Dieser Vino nobile spiegelt mit seinem vielschichtigen Duft, seinen fein ausbalancierten Beerenaromen und seiner frischen Struktur die faszinierenden Bauten der aufstrebenden Gotik und der bodenständigen Renaissance wieder. Könige und Päpste ließen sich diesen Wein gerne einschenken und so wurde er mit dem Attribut “nobile” (adlig) versehen. Der Vino nobile di Montepulciano stammt ausschließlich aus Montepulcinao (nicht zu verwechseln mit dem diese Qualität nie erreichenden Montepulciano d´Abruzzo). Die Basis für den Nobile ist die Rebsorte Sangiovese Grosso, die hier auch Prugnolo genannt wird.

Ein Stück weiter im Westen liegt Montalcino mit dem wohl berühmtesten Rotwein Italiens, dem Brunello. Bei diesem Namen schnalzen die Kenner mit der Zunge. Ein Brunello di Montalcino ist der kräftigste und auch einer der langlebigsten Sangiovese-Weine der Toskana. Beschreibungen zu dem Aristokraten unter den Weinen Italiens gibt es etwa so viele wie Reben auf den Hängen der Weinberge. Dennoch ein Versuch: Der Brunello di Montalcino besitzt einen reichen und bezaubernden Duft, der an Veilchen erinnert. Seine Konstitution ist kraftvoll und körperreich, sein Geschmack trocken und warm. In jungen Jahren hat der Brunello wegen seines hohen Tanningehaltes eine zarte Bitternote. Mit zunehmendem Alter wird er dank des langen Ausbaus im Holzfass (Eiche oder Kastanie) immer geschmeidiger und runder. Der Brunello di Montalcino ist in seiner geschmacklichen Qualität einzigartig, sein Charakter ist vornehm und kraftvoll. Seine Fülle, Üppigkeit und Größe sorgen für eine sehr lange Lebensdauer.
Unter dem Strich beeindruckt der große Brunello durch Rasse, samtige Nuancen und außergewöhnliche Eleganz – gepaart mit ansprechender Farbe, einem ausdrucksvollen Duft und einem großen Reichtum an Geschmacksstoffen.

Brunello di Montalcino

Die im Südwesten der Toskana gelegene Maremma war lange das Stiefkind der noblen Region. Sie ist ein weitläufiges Gebiet, dünn besiedelt, Natur pur. Inzwischen hat sich das zum Vorteil gewendet, denn die Landschaft der Provinz Grosseto bietet viel für toskanische Verhältnisse zu noch bescheidenem Preis. Das haben zahlreiche Winzer erkannt, und so wurde, fast über Nacht, die Maremma zum neuen toskanischen Weinwunderland und der Morellino zum jüngsten Star der Toskana. Ende der Neunziger Jahre vollzog sich dort ein regelrechter Hype mit vielen Neupflanzungen und Weinguts-Neugründungen.
Dies betraf auch das historische Anbaugebiet des Morellino aus Scansano im geografischen Dreieck mit den Weinorten Manciano und Magliano. In fast 20 Jahren konnten die Winzer mit dem teils heißen Klima in der südlichen Maremma ihre Erfahrungen sammeln, die Weine sind in der Stilistik reifer, ja erwachsener geworden, so dass der Morellino ein eigenständiger Ausdruck eines reifen Sangiovese-Rotweines ist. Durch diese vollen Fruchtaromen fehlt ihm etwas die vornehme und zurückhaltende Eleganz seiner Vettern im kühleren Klima.

Der Vernaccia, ein weißer Toskaner mit Biß, ist einer der wenigen bemerkenswerten Weißen in der Rotweinregion Toskana. Vernaccia di San Gimignano ist eine autochthone Rebsorte und geht zurück auf das lateinische Wort „vernaculus“, was einheimisch bedeutet. Also gibt es auch Rebsorten mit ähnlichem Namen wie Vernatsch aus Südtirol, Vernaccia di Orestano auf Sardinien oder den Marken; sie haben lediglich den gleichen Wortstamm, sind aber keine Verwandten. Ein gut gemachter Vernaccia strahlt geradezu im Glas mit seiner grünlich schillernden strohgelben Farbe. Er besitzt den zarten Geruch einer frisch gemähten Wiese, auch mal feiner Apfelduft, ansonsten herrlich mineralisch und leicht salzig mit einer leichten Bitternote.

Vernaccia di San Gimignano

Alle Weine machen Lust auf mehr. Die Toskana, das Synonym für Sinnesfreuden, zeigt in ihren Weinregionen ihre große Eleganz und spiegelt hier die Faszination ihrer Traumlandschaft wieder. – Auf diese „Reise“ in die südliche Toskana begibt sich die Weingilde am 06. Juli 2018. Informationen dazu unter „Programm 2018“.

Quellen: Stefan Maus: Weinwelten, Wikipedia

Chianti Classico

Es gibt wohl kaum eine Region, die so viel Sehnsucht zu wecken vermag, wie die Toskana. Und Erinnerungen an faszinierende Städte, Landschaftsbilder und an Ferien in warmer Sonne mit einem Glas Rotwein in der Hand.

Weingut nahe Radda in Chianti

Die Region Chianti ist das Kernland der Toskana. Deren Herz ist das Gebiet Chianti Classico zwischen Florenz und Siena. Der Name “Chianti” verweist mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Etrusker, die hier siedelten, bevor die Region von Rom erobert wurde. Wein wurde ebenfalls mit grosser Wahrschenlichkeit schon von den Etruskern und dann von den Römern angebaut, belegt ist die Erwähnung von Chianti Wein im 15. Jahrhundert. In den folgenden sechs Jahrhunderten bis heute gab es ein dramatisches “Auf und Ab” bei den Mengen und den Qualitäten. Im 17. Jahrhundert wurden durch Erlass die Grenzen des Chianti festgelegt. “Chianti” konnte sich als Marke für Weinqualität weltweit etablieren. Eine wichtige Rolle spielte Baron Bettino Ricasoli im 19. Jahrhundert, der erstmals Empfehlungen für ein Chianti-Cuvèe heraus gab, um damit die heimischen Rebsorten Sangiovese und Canaiolo Nero zu stärken. Dann gab es im 19./20. Jahrhundert einen dramatischen Qualitätsverlust … Viele erinnern sich noch an “Rotweinseeligkeit” aus der Fiasco-Flasche, bauchig und mit Geflecht ummantelt.

Fiasco-Flasche für Chianti

Erst Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es eine neue Qualitätsoffensive. Sie wird überwacht duch das Consortio del Vino Chianti, ein Zusammenschluß der Winzer im Chianti. Qualitätsmerkmale wurden festgelegt, besonders strenge im Chianti Clasico. Die Weinbauern, die sich diesen Regeln unterwarfen, wählten den Schwarzen Hahn, den Gallo Nero, als Symbol für ihre Weine.

Die Weingilde wird am 22.Juni 2018 eine virtuelle Weinreise in das Gebiet des Chianti Classico unternehmen. Zwei Weiß- und sieben Rotweine sollen die Vielfalt des Terroirs illustrieren. Weitere Informationen in der Spalte Programm 2018.

Quellen: Steffen Maus: Weinwelten, Wikipedia

Weingut Meyer-Näkel ist Gast beim Weintreff

Das Weingut gehört zu den “Leuchtturm-Betrieben” an der Ahr und auch in Deutschland: Das Weingut Meyer-Näkel aus Dernau bewirtschaftet rund 19 ha, rund 13 ha beträgt die Rebfläche an der Ahr. Knapp 80 % sind mit Spätburgunder und etwa 12 % mit Frühburgunder bestockt sind. Hinzu kommen Riesling und Weißburgunder. Die besten Lagen des Weingutes sind der Dernauer Pfarrwingert, der Walporzheimer Kräuterberg und der Neuenahrer Sonnenberg. Es sind vornehmlich nach Süden ausgerichtete Steillagen aus Schieferverwitterung, durchzogen von Grauwacken, Lösslehm und vulkanischem Gestein. Die Steine speichern die Wärme des Tages und geben sie bei Nacht langsam an die Vegetation ab.
Das Weinanbaugebiet an der Ahr ist mit etwa 560 ha eines der kleinen in Deutschland. Mit rund 64 % Spätburgunder und gut 6 % Frühburgunder dominieren die roten Burgundersorten. Mit gut 8 % ist der Riesling vertreten. Der Fluß hat sich, grob von West nach Ost zum Rhein fließend, wild und tief in das Gebirge Eifel eingegraben. Die Eifel bietet klimatischen Schutz, hält aber auch Niederschläge fern. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt mit 9,8 °C für ein Weinanbaugebiet ziemlich niedrich.
Werner Näkel kam als Quereinsteiger zum Weinbau. Er arbeitete als Mathematik- und Sportlehrer als er 1982 den kleinen elterlichen Betrieb übernahm. Offen für neue Ansätze begann er, in Deutschland damals unüblich, trockene Weine zu erzeugen. Er experimentierte mit Maischestandzeiten, mit den Zeiten für die Fassreife und dem Barrique-Ausbau. “Rotwein-Zauberer” wurde Werner Näkel genannt. Unfassende Kenntnisse eignete er sich an, die er als “Flying Winemaker” international weitergab.
Mit befreundeten Weinmachern gründete er im ausklingenden 20sten Jahrhundert Weingüter in Südafrika und im portugiesische Duoro-Tal.
Im heimischen Dernau sind inzwischen Werner Näkels Töchter Meike und Dörte in den Betrieb eingestiegen. Beide sind Absolventen der Hochschule Geisenheim. Meike ist mit dem Winzer Markus Klumpp aus dem badischen Bruchsal verheiratet. Zusammen haben sie die Linie “Hand in Hand” ins Leben gerufen. Es gibt einen Spätburgunder, einen Grauburgunder und einen Rosésekt vom Spätburgunder.
Quellen: Deutsches Weininstitut, Eichelmann, deutsche Weine.com, Hand in Hand

Muskateller

Was für eine Familie! Mehr als 200 Verwandtschaften zählt die Muskateller Rebe. Alle haben das charakteristische Muskataroma. Es sind leichte Weine, rassig und mit feiner Säure, fruchtig, wobei die Fruchtaromen je nach Herkunft des Weins an heimische oder exotische Früchte erinnern.
Die Beeren der unterschiedlichen Variationen des Muskatellers zeigen ein breites Farbspektrum: weiß, gelb, grau, grün, rosa, rot. braun, violett, blau bis schwarz. Woher der Name für den Wein herkommt, ist ungewiss. Vielleicht kommt er vom lateinischen Wort “musca”, Fliege, da Fliegen die stark duftenden Beeren sehr lieben. Über das italienische Wort “moscatello” ist dann der Name zu uns gekommen.
Muskateller gilt als eine der ältesten Rebsorten der Welt. Vermutlich brachten phönizische und griechische Siedler die Rebe aus Kleinasien in den Mittelmeerraum, wo sich der daraus gewonnene Wein bald grosser Beliebtheit erfreute. Möglich ist, dass bereits Plinius der Ältere um 60 n. Chr. den Muskateller als “Uva Apiana” beschrieben hat.
Karl der Große ließ sich diesen Wein bringen und auch von Kaiser Friedrich I, Barbarossa, ist bekannt, dass er ihn sehr schätzte. Im Nibelungenlied wird berichtet, dass Markgraf Rüdiger von Bechelaren (heute Pöchlarn), der seine Besitzungen in der Region Melk in Österreich und östlich davon hatte, die Nibelungen auf deren Zug zum König Etzel in der Stadt Traismauer bewirtete und einen gepriesenen Muskateller ausschenkte.
Ein Soldatenlied aus dem 16. Jahrhundert singt folgendes Lob:

Der liebste Buhle, den ich han, der liegt beim Wirt im Keller.
Er hat ein hölzins Röcklin an und heißt der Muskateller.
Er hat mich nächten trunken g’macht und fröhlich diesen Tag vollbracht;
drum geb’ ich ihm ein’ gute Nacht.
Von diesem Buhlen, den ich mein’, will ich dir bald eins bringen.
Es ist der allerbeste Wein, macht lustig mich zu singen.
Frischt mir das Blut, giebt freien Mut, als durch sein Kraft und Eigenschaft.
Nun grüß’ ich dich, mein Rebensaft.

Zu den edelsten Vertretern des Muskatellers gehört der Gelbe Muskateller. Er sollte in guten Lagen gepflanzt werden. In windoffenen Lagen neigt er zum Verrieseln. Die Rebe ist frostempfindlich. Deswegen wurde sie weitgehend in südlichen Regionen angebaut und erobert erst seit kurzem die deutschen Weinanbaugebiete.
Die Weingilde wird sich in ihrer Mitgliederversammlung mit Bergsträßer Weinen vom Gelben und vom Roten Muskateller beschäftigen.
Übrigens: Verschiedene Rebsorten, die den Begriff “Muskat” im Namen tragen, wie Morio Muskat, Muskat Silvaner oder Wildmuskat, gehören nicht zur Muskatellerfamilie.

Quellen: Taschenbuch der Rebsorten, …weinfreunde.de, Allgemeines Deutsches Kommersbuch

Gemischter Satz

Werden in einer Weinlage mehrere Rebsorten angebaut, deren Beeren gemeinsam geerntet und gekeltert werden, spricht man von einem “Gemischten Satz”. Auch der so gewonnene Wein wird mit diesem Begriff bezeichnet.
Das isr die Besonderheit des Gemischeten Satzes: die verschiedenen Rebsorten haben zum Zeitpunkt der Ernte unterschiedliche Reifegrade, d.h. Säure und Süße variieren, die rebsortentypische Ausprägung der Aromen ist unterschiedlich weit fortgeschritten. Die Weine zeigen daher von Jahr zu Jahr ein eigenes Profil. Und je nach Mischung der Rebsorten in den einzelnen Weinlagen gibt es eine eigene aromatische Vielschichtigkeit.
Die Grundidee des Gemischten Satzes ist, dass sich die Weinbauern gegen das Risiko von Wettereinflüssen und von Rebkrankheiten und -schädlingen schützen wollten. Da jede Rebsorte anders auf diese äusseren Einflüsse reagiert, sollte so der Ertrag stabilisiert und eine Mindestqualität gesichert werden.
Als 2009 im Rahmen der EU-Verordnung 607 geschützte Bezeichnungen in den einzelnen EU-Ländern festgeschrieben wurden, konnte sich Österreich die Bezeichnung “Gemischter Satz” sichern. Andere EU-Länder dürfen diese Bezeichnung deshalb nicht nutzen.
Als Spezialität gibt es den “Wiener Gemischten Satz”, dessen Qualitätsmerkmale in einer Verordnung festgeschrieben sind: mindestens 3 Rebsorten, kein Anteil größer als 50 %, der drittgrößte Anteil muss mindestens 10 % betragen.
In Deutschland gibt es insbesondere in Franken eine Reihe von Weinlagen, die unter dem Begriff “Alter Fränkischer Satz” bekannt geworden sind.
An der Hessischen Bergstraße pflegt das Mitglied der Weingilde, Christian Bort, einen gemischten Satz in einer Bensheimer Lage.

Mit einer Auswahl von Weinen, die im gemischten Satz stehen, will sich die Weingilde am 23. Februar 2018 der geschmacklichen Vielfalt dieser Erzeugnisse nähern. Obwohl im Regelfall moderne Kellertechniken zum Einsatz kommen, wird bei der Verkostung ein Hauch von Historie spürbar sein.

Quellen: Der Brockhaus-Wein, Wikipedia, Österreich Wein, Kai Wagner-Schatzkammer Franken,

Roter Riesling in Bundessortenliste eingetragen

Der Antrag kam vom Institut für Rebenzüchtung der Hochschule Geisenheim: seit dem 15. Januar 2018 ist die Rebsorte Roter Riesling für die Herstellung von Qualitätswein zugelassen. Zukünftig braucht es für deren Anbau keinen Versuchsantrag mehr, die Pflanzfläche ist nicht mehr begrenzt. Für die Betriebe, die den Roten Riesling im Versuchsanbeu gepflanzt haben, entfallen alle mit der Versuchsgenehmigung verbundenen Auflagen. Im Rahmen der Eintragung werden 5 Klone zum Anbau zugelassen.
In der EU-Weinbaukartei wird der Rote Riesling mit der Zahlenkennung 855 geführt.
In Hessen wurde der Rote Riesling bereits im Jahr 2003 klassifiziert. Weinbaubetriebe an der Hessischen Bergstraße und im Rheingau bauen diese Rebsorte seitdem mit grossem Erfolg an.

Quelle: Mitteilung der Hochschule Geisenheim.

Wein für Martin Luther

Unbestritten: Wein war das bevorzugte Getränk Martin Luthers. Zwar braute seine Frau Katharina auch Bier, doch bei seinen Tischrunden wurde Wein getrunken. “Der Wein ist gesegnet und hat ein Zeugnis in der Schrift, das Bier aber gehört zur menschlichen Überlieferung”, führte Luther in einer seiner Tischreden aus. Mit diesem Bezug auf die vielen Stellen in der Bibel, wo der Wein, der Weinberg und die Rebe angesprochen werden, zeigt sich die hervorgehobene Bedeutung, die Luther dem Wein zumisst. Er hat seinen Platz im Gottesdienst. Genau so wichtig ist er aber auch für das menschliche Wohlbefinden: “Das Brot stärkt des Menschen Herz, der Wein aber macht ihn fröhlich.”

Welchen Wein bevorzugte Martin Luther? Bei der Beantwortung dieser Frage geben die Historiker keine eindeutige Antwort. Gesprochen wird von Rheinwein, Frankenwein und Elsässer. Weine von bestimmter Herkunft, die Rebsorte war offenbar von untergeordneter Bedeutung. Frau Dr. Erika Maul vom Geilweiler Hof ist sich sicher, dass zu Luthers Zeit vor rund 500 Jahren die auch heute noch bekannten Muskateller und Gutedel getrunken wurden. Viele der damals kultivierten Rebsorten sind nahezu ausgestorben. Sie werden von den Forschungsinstituten und von historisch interessierten Winzern und Rebveredlern wie Antes aus Heppenheim wiederbelebt. Es sind Namen wie Gänsfüßer, Hammelhoden, Süßschwarz, Hartblau und Möhrchen. Heunisch, Elbling und Traminer haben ebenso eine lange Geschichte, die über die Lutherzeit hinaus reicht.

Martin Luther hatte einen kleinen eigenen Weinberg und in seinem Haus befand sich ein Weinkeller. Dort lagerte er die vielen ihm als Geschenk übergebenen Weine. Auch sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, ließ ihm das eine oder andere Fass bringen.

Verbürgt ist, dass Martin Luther besonders den Malvasier schätzte. Der Malvasier ist eine in Südeuropa verbreitete Rebsortenfamilie, aus der damals vornehmlich ein süßer, einem Likörwein ähnlicher Wein hergestellt wurde. Für Luther war der Malvasier “eine rechte heilsame Arzenei und Labsal”. Es war der teuerste Wein seiner Zeit. Luther nahm diees Luxusgetränk in ein Gleichnis auf, mit dem er seine Lehre von einem gütigen Gott verdeutlichte: “Gott steht nicht mit einem Knüppel hinter Dir, sondern mit einem Glas Malvasier vor Dir”. Und bei seinem Kampf gegen die Vormachtstellung des Papstes sagt er: “Die päpstliche Lehre verhält sich zum Wort Gottes wie saurer Essig zu Malvasier”.

Quellen: Gesellschaft für die Geschichte des Weins e.V., ntv.de-Wirtschaft_Extra, Wikipedia

 

Griechischer Wein …

… sei wie das Blut der Erde, verkündete Udo Jürgens im Jahr 1975 und beschwor damit nicht nur Erinnerungen an sonnig-warme Urlaubstage, sondern zeigte auch Herz für die Meschen, die zum Arbeiten ins kalte Deutschland kamen. Weine, die mehr waren als der beliebte Ausschank in den Tavernen begegneten dem Weinfreund eher selten. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die mit der wechselhaften politischen Geschichte des Landes zusammen hängen.

In den 1970er Jahren keimten erste ernst zu nehmende Initiativen zu Entwicklung eines qualitätsbewussten Weinbaus, der sich zum einen auf das Potenzial der beeindrucken vielen autochtonen Rebsorten besann und zum anderen offen war für unkonventionelle Methoden bei der Arbeit im Weinberg. Integrierter Weinbau ist längst Standard, erstaunlich viele Weingüter bekennen sich zum biologischen Weinbau. Die Keller werden von Önologen geführt, die in Frankriech oder Italien ausgebildet wurden und weltweit Erfahrungen gesammelt haben. Doch der größte Schatz sind die authochtonen Rebsorten, die in den meist nicht einfachen griechischen Klimazonen Weine mit einzigartigen Aromen hervorbringen.

Griechenland nennt offiziell (DWI-Statistik 2011) eine Rebfläche von rd. 111.000 ha. Die Summe über die einzelnen Weinregionen lässt allerdings vermuten, dass nicht alle Flächen bewirtschaftet werden. Auch die als durchschnittliche Ernte genannten rd. 24 hl/ha lassen diesen Schluß zu.

Die Weingilde Bergstraße wird sich am Freitag, d. 27. Januar 2017, auf eine virtuelle Reise durch die griechischen Weinbauregionen von Thrakien im Nordosten, über die Ionischen Inseln im Westen bis nach Kreta ganz im Süden begeben. Ausschließlich authochtone Rebsorten, von Agiorgitiko bis Xinomavro, stehen zur Verkostung bereit. Ein Retsina, hier “Die Träne der Pinie”, darf keinesfalls fehlen.

Trotz Udo Jürgens ist das Weinland Griechenland für uns eine ziemlich unbekannte Region. Die Entdeckungsreise lohnt sich!

DLG-Auszeichnungen für Bergsträßer Winzer

Die Bundesweinprämierung 2016 der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLGe.V.) brachte für die Bergsträßer Winzer eine Reihe von Auszeichnungen.

Eine besondere Ehrung erfuhr das Weingut Simon-Bürkle aus Zwingenberg: Es erhielt einen Bundesehrenpreis, der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verliehen wird. Unter den TOP-100 Weingütern aus Deutschland wird Simon-Bürkle auf Platz 47 geführt.

Fünf Goldmedallien gingen an die Bergstraße:

2014 Scheurebe, Spätlese mild, Simon-Bürkle,

2014 Riesling, QbA trocken. Simon-Bürkle,

2012 Rotweincuvée “PAN”, QbA trocken, Simon-Bürkle,

2015 Grauburgunder, Kabinett trocken, Vinum Autmundis, Groß-Umstadt,

2014 Acolon, QbA trocken, Vinum Autmundis, Groß-Umstadt.

Darüber hinaus gab es Silbermedallien:

13 für die Bergsträßer Winzer eG, 10 für das Weingut Simon-Bürkle und 8 für Vinum Autmundis.

Bronzemedallien erhielten die Bergsträßer Winzer eG 7, Simon-Bürkle 2 und VinumAutmundis 9.

 

Weinrebe Auxerrois

Ist die Weinrebe, die wir heute Auxerrios nennen, schon im 13. Jahrhundert bekannt gewesen? Es gibt eine Fabel aus dieser Zeit, die das vermuten lässt. Doch die erste zuverlässige Quelle ist ein Hinweis aus dem Jahr 1816 von der Mosel. In der Zeit davor wurde die Bezeichnung “Auxerrois” auch für andere weiße Rebsorten aus der Familie der Burgunder gebraucht.
Der Auxerrois ist eine natürliche Kreuzung aus Rebsorten der Pinot-Familie und dem Weißen Heunisch (Gouais Blanc). Über einige Jahrhunderte hinweg standen diese Rebsorten im Gemischten Satz. Rebsorten wie Aligoté, Chardonnay oder Melon de Bourgogne sind gleichen Ursprungs.
Der Auxerrois soll über Lothringen an die Mosel gekommen sein und über das Elsaß nach Baden.
Die Statistik des Deutschen Weininstituts aus dem Jahr 2010 weist weltweit 2785 ha mit Auxerrois bestockte Rebflächen aus, 84 % davon in Frankreich. In Deutschland sind (2010) 236 ha mit Auxerrois bestockt, 32 % davon in Baden, hauptsächlich im Kraichgau und am Bodensee, 31 % in der Pfalz. An der Hessische Bergstraße gibt es danach 1 ha.
Quellen: Taschenbuch der Rebsorten, Wikipedia, Deutsches Weininstitut