Sektempfang 2026 macht Mut  

Hervorgehoben

Gilde: Blick auf Chancen und Genuss-Kultur

Bensheim. In einer Zeit komplexer Krisen und Kriege will die Weingilde Bergstraße auch 2026 dazu ermutigen, das Leben zu feiern, die Genuss-Kultur zu pflegen und Traditionen neu zu erfinden. Bei einem Neujahrsempfang in Bensheim (3.1.) präsentierte die Gilde ihr Programm für das erste Halbjahr dieses „Jubiläumsjahres“, in dem in Deutschland „200 Jahre Schaumweinproduktion“ gefeiert werden kann.

Die Gilde organisiert deshalb erstmals eine Veranstaltung zum Deutschen Sekttag:  Am Samstag, dem 9. Mai (Sekttag 2026), wird es im Rahmen des Bergsträßer Weinfrühlings eine Probe mit Schaumwein-Spezialitäten aus der Region geben – ein Termin, den sich Sektfreunde im Terminkalender bereits vormerken können. Zwar ist auch der Sektkonsum in Deutschland in den zurückliegenden zehn Jahren etwas gesunken ist, was für besorgniserregend klingende Schlagzeilen („Schaumwein wird zum Auslaufprodukt“) sorgte.

Doch der Neujahrsempfang der Weingilde 2026 war vom Versuch geprägt, der Weinbranche – auch an der Bergstraße – Mut zu machen. „Es gibt nicht nur Abwärtstrends und große Herausforderungen – vor allem durch die Klimakrise und das sich ändernde Konsumverhalten. Es gibt auch erkennbare Chancen – zum Beispiel mit Blick auf den Weintourismus und die Rekordzahlen bei Inland-Reisen“, erklärte der Weingilde-Vorsitzende Manfred Berg bei der Jahresauftakt-Veranstaltung.

Prickelnder Vortrag zu 200 Jahre Schaumwein-Produktion in Deutschland von Robert Eberle.

Vortrag: Von „Auslaufprodukt kann keine Rede sein“

Obwohl der Pro-Kopf-Konsum (bei Personen über 16) auf 36 Gläser Sekt im Jahr zurückging (2014 waren es noch 46 Gläser): Auch 200 Jahre nach Beginn der Sektproduktion in Deutschland könne nicht von einem „Auslaufprodukt“ die Rede sein, erklärte Gilde-Vorstand Robert Eberle in seinem Vortrag zum Neujahrsempfang. Studien zufolge werde Sekt-Genuss individueller und flexibler: Offenbar gewinnen kleine, alltägliche Genussmomente an Bedeutung – Sekt werde nicht nur bei offiziellen Festanlässen getrunken. Der Vortrag zum Neujahrsempfang verdeutlichte, dass 1826 das zentrale Jahr für die erste Sekt-Boomphase war: Mit vielen Akteuren, die sich vor zwei Jahrhunderten um die Erforschung und Produktion des Schaumweins verdient gemacht haben – auch in Ungarn, Niederschlesien, im Rheinland und im Frankenland.

Prosit: Gilde-Vorsitzender Manfred Berg beim Neujahrsempfang 2026 in der Scheune an der Stadtmauer.

„Champagner – deutsch-französischen Erfolgsgeschichte

Viele Pioniere der Champagnerhäuser hatten deutsche Wurzeln. Unternehmer wanderten nach Frankreich aus, lernten das Handwerk und gründeten Häuser, die heute weltberühmt sind. Champagner wurde zu einer deutsch-französischen Erfolgsgeschichte – ein Austausch von Know-how über Grenzen hinweg“, erklärte Eberle. Beim Neujahrsempfang 2025 hatte die Weingilde ins Kino eingeladen und dort zum Historiendrama „Die Witwe Clicquot“ den passenden Champagner präsentiert. Ein Geschäftspartner dieser Witwe, der die Geheimnisse der Schaumwein-Produktion in Reims (Frankreich) kennengelernt hatte, kam 1826 wieder in seine Heimat nach Deutschland zurück: In Esslingen gründete Georg Christian Kessler eine Sektkellerei – die älteste Deutschlands. So stand die spannende Lebensgeschichte Kesslers im Mittelpunkt des Gilde-Neujahrsempfangs 2026. Die Gäste konnten prickelnde Spezialitäten dieser Sektkellerei aus Esslingen probieren und ihre Gläser erheben – „auf ein Zuversicht bringendes Jahr 2026: Für die Weingilde Bergstraße. Und für den Weinbau hier in der Region, der Chancen hat. die Genusskultur und den Tourismus der Zukunft an der Bergstraße mitzugestalten.“

Gilde-Vorstand Manfred Berg und Robert Eberle beim Neujahrsempfang 2026 - mit Blick auf das Sektjahr 1826.

Hinweis auf Technik-Geschichte und “Buhlbacher Schlegel”

Die spannende Schaumwein-Geschichte mit starker Medien-Resonanz sorgt für viele Rückmeldungen bei der Weingilde – auch mit Blick auf die Herausforderung von 200 Jahren, druckfeste Flaschen zu konstruieren. Einen interessanten Hinweis dazu bekam die Gilde von einem Zeitungsleser, der über frühe Experimentierte englischer Winzer und Händler mit stärkerem Glas (im 17. Jahrhundert) schreibt: “Das war möglich, weil England bereits koksbefeuerte Glasöfen hatte – sie erzeugten heißere Temperaturen und damit robusteres Glas als die französischen Holzöfen. Dadurch konnten die Engländer früher mit Flaschengärung experimentieren.” Allerdings waren diese frühen englischen Flaschen offenbar noch nicht stabil genug, um den extremen Druck der späteren Champagnerproduktion auszuhalten: Die erste Flasche, die wirklich zuverlässig die etwa sechs Bar Druck überstand, war der “Buhlbacher Schlegel” aus der Glashütte Buhlbach im Schwarzwald (19. Jahrhundert). Dieser Schlegel führte den eingewölbten Boden („Stülpboden“) ein – “die entscheidende Innovation, die das Explodieren der Flaschen stoppte”. Details zu den Hohlglasfabriken im Nordschwarzwald sind hier nachzulesen.

Weingilde: „Massvoller Genuss – gesunder Lebensstil“

Am 14. Februar organisiert die Weingilde gemeinsam mit dem Deutsch-Französischen Freundeskreis Bensheim-Beaune (DFFBB) eine Fahrt zur Weinmesse nach Straßburg. Informationen dazu und Anmeldungen hier (weingilde-bergstrasse.de).

  •  Die Weingilde Bergstraße ist Mitglied der Bewegung “Wine in Moderation”, die für Wein mit Maß und Stil wirbt: Es geht um maßvollen Genuss als Teil eines gesunden Lebensstils. Wein ist nach Überzeugung der Gilde-Mitglieder ein hohes traditionsreiches Kulturgut und für viele fester Bestandteil eines guten Essens. Gäste sind bei Weingilde-Veranstaltungen herzlich willkommen; die Gilde nimmt weitere neue Mitglieder auf, die sich für Wein-Kultur interessieren (und bereit sind, auch selbst einmal eine spannende Probe zu organisieren).