﻿{"id":57626,"date":"2022-02-07T22:49:33","date_gmt":"2022-02-07T20:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/weingilde-bergstrasse.de\/wordpress\/?p=57626"},"modified":"2022-02-09T14:42:01","modified_gmt":"2022-02-09T12:42:01","slug":"was-wir-vielleicht-noch-nicht-gewusst-haben-folge-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weingilde-bergstrasse.de\/wordpress\/was-wir-vielleicht-noch-nicht-gewusst-haben-folge-8\/","title":{"rendered":"Was wir vielleicht noch nicht gewu\u00dft haben &#8211; Folge 8"},"content":{"rendered":"\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Darmstadt, die Weinhauptstadt der Bergstra\u00dfe!<\/strong> Wie das?                                                          \u00dcberall in Darmstadt und Umgebung wurde seit dem Mittelalter Wein angebaut. Er geh\u00f6rte zum Alltag der B\u00fcrger, er war ein Volksgetr\u00e4nk. Es gab keine offizielle Amtshandlung, keinen Vertragsabschlu\u00df, keinen Grenzgang ohne Weintrunk. Wein geh\u00f6rte auch als Teil des Lohns zur Bezahlung von Handwerkern, Hofbediensteten, Pfarrern und Lehrern. Erstmals erw\u00e4hnt wurden Darmst\u00e4dter Weing\u00e4rten im Unterschied zu den heute bekannten Bergstr\u00e4\u00dfer Weinst\u00e4dten allerdings erst im Jahre 1375. Damals verlieh Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen seiner Gattin Else Besitz mit Weing\u00e4rten in Darmstadt. In der \u00e4ltesten erhaltenen Rechnung aus dem Jahr 1401 finden sich Angaben \u00fcber den Weinbau in Darmstadt, Bessungen und Klappach; auch Weinberge in Zwingenberg, Lichtenberg, Schaafheim und R\u00fcsselsheim wurden erw\u00e4hnt. In<strong> Darmstadt und Bessungen waren etwa 415 Morgen Land mit Reben best\u00fcckt, das entspricht ca 105 ha<\/strong>. Im 30-j\u00e4hrigen Krieg gab es fast keinen Weinbau mehr um DA; so langsam entwickelten sich wieder Weing\u00e4rten um Rosen- und Mathildenh\u00f6he. Sie zogen sich dann von Norden nach Westen bis zur heutigen Waldkolonie. Die Saalbaustra\u00dfe zwischen Elisabethen- und Adelungstra\u00dfe hie\u00df bis Mitte des 19. Jdts. &#8220;Weinbergstra\u00dfe&#8221; , auf der Mathildenh\u00f6he erinnert die Wingertsbergstra\u00dfe (damals die beste Lage) an den Weinbau und in der Waldkolonie gibt es heute noch den &#8220;Traubenweg&#8221;. Nur der<em> Datterich<\/em> in der Darmst\u00e4dter Lokalposse von Ernst Elias Niebergall aus dem Jahr 1841 verschm\u00e4hte den Darmst\u00e4dter oder Eberst\u00e4dter Rotwein, er trank lieber den Assmannsh\u00e4user.                                                                                                                                                                  Gegen Ende des 18. Jahrhunderts befand sich der Weinbau auf dem R\u00fcckzug. Gr\u00fcnde waren vor allem die Ausdehnung der Wohnbebauung, vermutlich auch die h\u00f6heren Anspr\u00fcche an die Weinqualit\u00e4t, denen die Reben in Darmstadt und Umgebung nicht mehr gerecht werden konnten. In Bessungen hielt sich der Weinbau noch am l\u00e4ngsten \u2013 bis 1870.                          Von all dieser Herrlichkeit ist im Darmst\u00e4dter Stadtgebiet au\u00dfer einer winzigen Fl\u00e4che nichts \u00fcbrig geblieben, denn im Jahre 1995 wurde auf einer Brachfl\u00e4che im s\u00fcdwestlichen Bereich des Polizeipr\u00e4sidiums mit Genehmigung des Weinbauamtes Eltville ein Weinberg mit 99 Wei\u00dfburgunder-Reben angelegt, der j\u00e4hrlich 200\u2013300 Flaschen liefert. Der als Spezialpr\u00e4vention bezeichnete Wein wird bei Veranstaltungen des Pr\u00e4sidiums, zu Krankenbesuchen und Ehrungen verwendet. Damit d\u00fcrfte das Polizeipr\u00e4sidium S\u00fcdhessen seiner eigenen Einsch\u00e4tzung nach <strong>die einzige Polizeidienststelle der Welt mit eigenem Weinberg<\/strong> sein. Der Ausbau erfolgt bei der Winzergenossenschaft Gro\u00df-Umstadt.            Neben Eberstadt war Bessungen der am dichtesten mit Reben bestandene Stadteil Darmstadts.                                                                                                                                    Anfang 1900<strong> wurde in Heppenheim der hessische Rebmuttergarten<\/strong> als Vorzeige-einrichtung angelegt und in den 30er Jahren das Geb\u00e4ude dazu errichtet. Aber auch in Darmstadt im Orangeriegarten befand sich eine Rebveredlungsstation mit Rebschule. 1928 standen darin 137.000 veredelte Reben. Am B\u00f6llenfalltor &#8211; dem heutigen Fu\u00dfballplatz der Darmst\u00e4dter Lilien &#8211; war im gleichen Jahr eine Rebschule mit gar 700.000 Veredlungen. Heute existiert nur noch ein Rebenveredlungsbetrieb, die <strong>Rebschule Antes in Heppenheim<\/strong>.                                                                                         <strong>Seit 2004 l\u00e4\u00dft der Eberst\u00e4dter B\u00fcrgerverein<\/strong> im alten Weingebiet am Wolfhartweg die alte Weinbau-Tradition wieder aufleben. Er darf Wein produzieren, aber nur f\u00fcr den Eigenverbrauch und nur als Tafelwein.<\/li><li><strong>Der Wein und sein Alkohol:<\/strong> Um durchschnittlich 1 Volumenprozent pro Jahrzehnt ist der Alkoholgehalt von Wein seit den 1980er Jahren angestiegen. Wesentliche Ursache daf\u00fcr ist der <strong>Klimawandel <\/strong>mit h\u00f6heren Temperaturen und mehr Sonnenstunden, die die Zuckerproduktion in den Weintrauben anheizt. Den optimalen Zeitpunkt f\u00fcr die Lese zu bestimmen wird immer schwieriger und dadurch hat auch der \u00fcber lange Zeit als Reifeparameter geltende \u00d6chslegrad, also das im Wesentlichen durch Zucker verursachte Mehrgewicht des Mostes gegen\u00fcber Wasser seine einstige Bedeutung verloren. Wenn der Winzer heute die h\u00f6heren Alkoholwerte nicht haben will, mu\u00df er fr\u00fcher lesen und riskiert dabei gr\u00fcne Aromen, harsche S\u00e4ure und bei Rotwein kantige Tannine. Er kann auch andere Wege gehen: z.B. dem Standort und Klima angepa\u00dfte Rebsorten oder Weinberge mehr in nord\u00f6stlicher als in s\u00fcdwestlicher Ausrichtung anlegen. Das K\u00f6nnen des Winzers wird immer st\u00e4rker gefordert.                       <\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Quellen: Darmstadt Stadtlexikon, Antes in Bergstr\u00e4\u00dfer Weinbauchronik 1\/21, Weinhalle, eigene Recherche<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darmstadt, die Weinhauptstadt der Bergstra\u00dfe! Wie das? \u00dcberall in Darmstadt und Umgebung wurde seit dem Mittelalter Wein angebaut. Er geh\u00f6rte zum Alltag der B\u00fcrger, er war ein Volksgetr\u00e4nk. Es gab keine offizielle Amtshandlung, keinen Vertragsabschlu\u00df, keinen Grenzgang ohne Weintrunk. 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